Gauck ruft EU zur Einheit auf

Bundespräsident Joachim Gauck hat sich vor dem Hintergrund der Debatte über Griechenlands Zukunft in der EU für Kompromissbereitschaft ausgesprochen.

Gauck ruft EU zur Einheit auf
Wolfgang Kumm Gauck ruft EU zur Einheit auf

«Auch in schwierigen Zeiten haben uns gemeinsame Überzeugungen zusammengehalten», sagte Gauck vor Vertretern der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) in Arusha in Nordtansania.

Ohne die Diskussion über den neuen griechischen Regierungschef Alexis Tsipras direkt anzusprechen, ergänzte Gauck: «Für diese Werte lohnt es sich, auch einmal Kompromisse zu suchen oder geduldig zu bleiben, nötigenfalls auch einmal eigene Interessen zurückzustellen.»

Vor führenden EAC-Vertretern warb Gauck für das Politikmodell der EU, trotz aller Probleme. Die Mitgliedstaaten der Ostafrikanischen Gemeinschaft - neben Tansania Kenia, Uganda, Ruanda und Burundi - streben eine engere wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit ähnlich der EU an.

Auch angesichts der neuen Links-Rechts-Regierung in Athen sagte der Bundespräsident: «Es gibt Apokalyptiker. Sie kündigen regelmäßig das Ende Europas an, das Ende des Euro. Bitte misstrauen Sie diesen Propagandisten des Niedergangs. Sie lagen jedenfalls bisher immer falsch.»

Europas Familie der Staaten gebe es weiterhin - «größer denn je, solidarisch mit Hilfe zur Selbsthilfe, wenn ein Mitglied in Not gerät, und auch bereit, sich konstruktiv mit sich selbst auseinanderzusetzen», sagte das Staatsoberhaupt. Auch angesichts des islamistischen Terrors gegen das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» trete Europa geeint für gemeinsame Werte ein. «Auch Russlands Verstöße gegen das Völkerrecht in der Ukraine haben uns in jüngster Zeit noch enger zusammenrücken lassen», fügte er hinzu.

Am Nachmittag wollte Gauck im Serengeti-Nationalpark zum Abschluss des offiziellen Teils seines Besuches in Tansania ein von der Deutschen Zoologischen Gesellschaft in Frankfurt (ZGF) errichtetes Zentrum zum Kampf gegen die Wilderei einweihen.

ZGF-Geschäftsführer Christof Schenck warnte am Rande der Gauck-Reise, die Wilderei von Elefanten und Nashörnern gefährde die Stabilität afrikanischer Staaten. Mit dem illegalen Abschuss werde sehr viel Geld gemacht. «Und das führt auch zu einer sehr starken Korruption in den Ländern. Es ist ein großes Risiko, das weit über Artenschutz hinausgeht.» Die Wilderei bringe Korruption wie im Drogenhandel mit sich.