Gauck setzt sich in China für Glaubensfreiheit ein

Bundespräsident Joachim Gauck hat zum Abschluss seines ersten Staatsbesuchs in China die Bedeutung der Religionsfreiheit hervorgehoben.

Gauck setzt sich in China für Glaubensfreiheit ein
Wolfgang Kumm Gauck setzt sich in China für Glaubensfreiheit ein

In der alten Kaiserstadt Xi'an traf Gauck mit Vertretern der christlichen und muslimischen Minderheiten zusammen. Er besuchte die katholische Franz-von-Assisi-Kathedrale und die Große Moschee in der Millionenstadt. Bereits am Mittwoch hatte er an einem evangelischen Ostergottesdienst teilgenommen.

Vor seinem Rückflug nach Berlin traf Gauck nicht nur den Imam Maliang Qi sondern auch den Bischof von Xi'an, Anthony Dang. Der Würdenträger spiegelt die Gratwanderung der Katholiken in China wider. Er wurde von der amtlichen «Patriotischen Kirche» geweiht, ist zugleich aber auch vom Papst als Bischof anerkannt. Chinas staatlich kontrollierte Kirche lehnt die Autorität des Papstes ab und ernennt ihre eigenen Bischöfe, was immer wieder zu Spannungen führt.

Die Religionsfreiheit in China ist eingeschränkt. Die kommunistische Führung will Glaubensgemeinschaften unter Kontrolle halten und ausländischen Einfluss verhindern. Vor allem das Christentum findet starken Zulauf. Doch entziehen sich viele Katholiken und Protestanten der staatlichen Aufsicht, was sie zum Ziel von Verfolgung macht.

Nach seinen Gesprächen mit den Religionsvertretern flog der Bundespräsident zurück nach Berlin, wo er am Abend erwartet wurde. Am Vormittag hatte Gauck in der Nähe von Xi'an die Ausgrabungsstätten der berühmten Terrakotta-Armee besichtigt. Auf seiner fünftägigen China-Reise war er auch von Vertretern der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland begleitet worden, womit Gauck ein Zeichen setzen wollte.

In einer kritischen Rede hatte Gauck in der Tongji-Universität in Shanghai anhand seiner DDR-Erfahrungen mehr Rechtsstaatlichkeit und Respekt vor den Menschenrechten in China angemahnt. Das Außenministerium in Peking meinte nur, Deutschland und China hätten unterschiedliche soziale Systeme, könnten aber durch Dialog das gegenseitige Vertrauen und die Kooperation stärken.

Die «Global Times», die vom kommunistischen Parteiorgan «Volkszeitung» herausgegeben wird, schrieb, westliche Menschenrechtsgruppen hätten gehofft, Gauck werde Druck auf die Regierung in Peking ausüben, was eine «naive Illusion» sei. Der Bundespräsident wisse, dass es um gegenseitigen Respekt und die Förderung der Beziehungen gehe. Und China sei auch anders als die frühere DDR.

«Im Unterschied zu Mehrparteiensystemen im Westen ist das von einer Partei geführte politische System in China die Wahl des chinesischen Volkes nach Jahrzehnten schmerzhafter Erfahrungen», schreibt das Blatt. Ausländische Politiker sollten begreifen, dass das chinesische Volk «noch lange daran festhalten wird». 

Die Tongji-Universität berichtete auf ihrer Webseite nur von dem Besuch, ohne Gaucks Plädoyer für Menschenrechte zu erwähnen. Internetnutzer beklagten, dass viele Studenten nicht einmal von seiner Rede gewusst hätten und die Universität ihm nur einen kleinen Saal zur Verfügung gestellt habe.