Gauck spricht mit Poroschenko

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Europäische Union zu Geschlossenheit und Solidarität in der Ukraine-Krise aufgerufen.

Gauck spricht mit Poroschenko
Wolfgang Kumm Gauck spricht mit Poroschenko

Nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko sagte Gauck am Sonntagabend in Bratislava, der Konflikt in der Ukraine unterstreiche die Bedeutung Europas als Friedensprojekt. «Für mich steht außer Zweifel: Die Europäische Union muss weiterhin geschlossen handeln.»

Gauck traf am Rande der Gedenkfeiern zum 25. Jahrestag der «Samtenen Revolution» in der slowakischen Hauptstadt mit Poroschenko zusammen. Auch die Präsidenten Polens, Ungarns, und Tschechiens waren auf Einladung des slowakischen Staatschefs Andrej Kiska nach Bratislava gekommen.

Bei einem Abendessen würdigte Gauck laut vorab verbreitetem Redemanuskript die Solidarität der Nachbarländer Polen, Slowakei und Ungarn, die der Ukraine im Konflikt mit Russland durch Gaslieferungen zur Seite stünden.

Gauck hatte bereits an der Amtseinführung Poroschenkos im Juni in Kiew teilgenommen. Dieser sagte in Bratislava, die Ukraine gehe jetzt den Weg, den die heutige Slowakei vor 25 Jahren beschritten habe: «Wir kämpfen nicht nur für die Ukraine, sondern für Europa und seine Werte.»

Kiska betonte: «Wir waren uns einig, dass es sich auf der Krim und in der Ostukraine um eine Annexion und eine Aggression handelt. Das verlangt eine gemeinsame europäische Antwort, die klarstellt, wann der Dialog endet und nur mehr Sanktionen helfen.»

Die «samtene Revolution» in der damaligen Tschechoslowakei im November 1989 war ein Schlüsselereignis für den Zusammenbruch der Diktaturen in Osteuropa. Am 16. November 1989 demonstrierten in Bratislava Tausende friedlich für Freiheit und Demokratie. Einen Tag später wurde eine große Studentenkundgebung in Prag von der Polizei niedergeknüppelt.

Einer der Helden des Umbruchs in der Tschechoslowakei war der spätere Präsident Vaclav Havel. An ihn wird bei den Feiern - am Montag auch in Prag - ebenso erinnert wie an die Demonstrationen, die schließlich zum Sturz der kommunistischen Herrschaft führten.

Am Montagmorgen wollte Gauck zusammen mit den Präsidenten Polens, Ungarns, der Slowakei und Tschechiens zunächst der rund 400 Menschen gedenken, die bei Fluchtversuchen aus der damaligen CSSR ums Leben kamen. Danach setzen die fünf Staatsoberhäupter ihr Treffen in Prag fort. Zuvor hatten die Präsidenten bereits in Warschau, Budapest und Leipzig gemeinsam an die friedliche Revolution in Mittel- und Osteuropa vor 25 Jahren erinnert.