«Geburt des Impressionismus» im Städel

Claude Monet (1840-1926) erlebte unglaubliche Umwälzungen. Maschinen traten ihren Siegeszug an, Industrie entstand, Mobilität veränderte sich: Man stieg vom Pferdefuhrwerk auf die Eisenbahn und das Auto um.

«Geburt des Impressionismus» im Städel
Boris Roessler «Geburt des Impressionismus» im Städel

Die Weltausstellung zeigte 1889 die Möglichkeiten der Technik und bescherte Paris den eisernen Eiffelturm, bis heute das Wahrzeichen der Metropole.

Damals lässt sich in Paris eine Gruppe von Malern von der Ablehnung des etablierten Kunstbetriebs in den Salons nicht beirren. Ihre Bilder haben sich vom dargestellten Objekt gelöst, sie malen den persönlichen Eindruck, den sie vom Gesehenen haben: Verwischte Konturen, flirrende Farben, klarer Pinselstrich. Heute werden die Künstler Impressionisten genannt.

Ihren Aufbruch zeigt das Frankfurter Städel-Museum bis zum 21. Juni in der Sonderausstellung «Monet und die Geburt des Impressionismus». Sie ist einer der Höhepunkte im Jubiläumsprogramm des Städels, das in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen feiert. Rund 100 Meisterwerke aus den Anfängen der impressionistischen Bewegung sind zu sehen, im Mittelpunkt 50 Gemälde von Claude Monet. «Vermutlich war Frankfurt noch nie so sehr Paris wie jetzt», sagte Kurator Felix Krämer am Dienstag.

Eines der Prunkstücke der Ausstellung ist Monets «Mittagessen», entstanden 1868/69, aus der Sammlung des Städels. Das Bild zeigt eine Tischszene mit der Familie Monets, seiner Geliebten und dem unehelichen Kind. Das Bild sei für die damalige Kunstszene eine Provokation gewesen, auch wegen seines monumentalen Formats von 2,31 mal 1,51 Meter, sagte Kurator Krämer.

Er sei stolz, direkt daneben Monets nur wenige Monate später entstandenes Werk «La Grenouillère» (1869) aus dem Metropolitan Museum of Art in New York zeigen zu können, eines der Schlüsselwerke für die Entstehung der neuen Kunstrichtung. Es zeigt eine kleine Insel mit einer Gruppe Menschen. Die Reflektion des Lichts auf dem Wasser spielt die Hauptrolle. Die beiden Bilder seien nun nach mehr als 100 Jahren wieder nebeneinander zu sehen, sagte Krämer.

Das zweite «Mittagessen», entstanden ca. 1873, ist eine Szene im Garten. Hier werde alles der Stimmung untergeordnet, beschreibt Krämer: «Aus Interieur wird Exterieur, Personen treten in den Hintergrund, Licht und Farbigkeit in den Vordergrund.» Ein Jahr später malte Monet den «Sommer», eine weite Wiese mit von der Sonne verbranntem Gras, es ist windig, es gibt keinen Schatten. Drei Personen verschwimmen in der Landschaft. Ähnlich auch trotz völlig unterschiedlicher Motive die Bilder des Bahnhofs Saint-Lazare aus dem Jahr 1877: Der Dampf aus der Lokomotive hüllt Gebäude, Zug und Reisende ein wie Wolken. «Das Motiv ist für mich nur eine unbedeutende Sache, was ich wiedergeben möchte, ist das, was zwischen dem Motiv und mir liegt», schrieb Monet 1895.

Zahlreiche weitere Werke von Impressionisten sind zu sehen, darunter Arbeiten von Auguste Renoir, Edgar Degas, Berthe Morisot, Camille Pissarro oder Alfred Sisley. 15 Bilder stammen aus dem Bestand des Städels, die anderen reisten aus aller Welt an: 64 Leihgeber hätten sich beteiligt, sagte Städel-Chef Max Hollein, darunter die Eremitage in St. Petersburg sowie Museen in London, New York, Chicago Washington oder Paris und anderen europäischen Städten. Über die Kosten der Ausstellung sagt Hollein nur: «Sie war nicht unkostspielig» und hebt die Commerzbank-Stiftung als Hauptsponsor hervor.