Gedrückte Stimmung in Passau nach der Jahrhundertflut

Am Morgen nach dem Jahrhunderthochwasser: Es ist kühl, trüb und schmuddelig in Passau. Nur wenige Menschen sind in der Altstadt unterwegs. Viele haben die Nacht in Sammelunterkünften verbracht.

Gedrückte Stimmung in Passau nach der Jahrhundertflut
Peter Kneffel

Wer sein Haus nicht verlassen wollte, musste meist ohne Wasser und Strom auskommen. Der Pegelstand sinkt, aber die Menschen atmen noch nicht auf. «Wir haben Angst, weil jetzt auch donauaufwärts in Regensburg und Deggendorf Katastrophenalarm ausgelöst wurde», sagt eine Anwohnerin am Römerplatz. Die Menschen fürchten, dass von Norden her eine weitere Flutwelle kommen könnte.

Die Mitarbeiter der Wasserwacht waren die ganze Nacht unterwegs. Eines ihrer Boote hat keinen Sprit mehr und muss am Morgen abgeschleppt werden. Die Helfer sind etwas sauer, ihr Stromaggregat wurde ihnen weggenommen. Es wurde anderswo noch dringender gebraucht. Die Technik der Wasserwachtler geht deshalb nicht mehr - natürlich auch die Kaffeemaschine nicht mehr, das schlägt zusätzlich auf die Stimmung.

Einige Anwohner schauen aus dem Fenster ihrer Obergeschosse auf die Wasserstraßen, die sich in der Altstadt gebildet haben. Wer aus seinem von der Flut eingeschlossenen Haus gebracht werden will, wird von der Wasserwacht in die Sammelunterkünfte gefahren. Die meisten davon sind bereits voll belegt, aber in der Dreiländerhalle ist noch Platz.

An einigen Stellen, an denen sich das Wasser zurückgezogen hat, liegen zerplatzte Sandsätze. Eine Bäckerin am Residenzplatz wartet auf frische Semmeln und Kuchen für ihr Café. Sie hofft, dass der Lieferant zu Fuß durchkommt. Der Mann schafft es später tatsächlich irgendwie, die Backwaren zu liefern. Auf dem Residenzplatz soll auch ein Wassertankfahrzeug die Anwohner mit Trinkwasser versorgen, aber bisher ist es noch nicht da.

Der Betreiber des renommierten Scharfrichterhauses neben dem Rathaus, Matthias Ziegler, ist ziemlich ratlos: Seine Kleinkunstbühne, die bekannte Kabarettisten wie Bruno Jonas und Sigi Zimmerschied groß gemacht hat, ist überflutet. Ziegler weiß nicht, ob er die Bühne je wieder öffnen kann.