Gefängnistragödie in Mexiko: Knast war deutlich überbelegt

Stadt (dpa) - Eine Gefängnistragödie im mexikanischen Monterrey mit 49 Toten hat kurz vor dem Besuch von Papst Franziskus die katastrophalen Haftbedingungen in den Fokus gerückt.

Gefängnistragödie in Mexiko: Knast war deutlich überbelegt
Miguel Sierra Gefängnistragödie in Mexiko: Knast war deutlich überbelegt

Nach Angaben des Gouverneurs des Bundesstaates Nuevo León, Jaime Rodríguez, waren im Gefängnis Topo Chico 3800 Gefangene inhaftiert, obwohl es nur für 2600 Häftlinge Platz bietet. Zwischen rivalisierenden Gruppen war es am Donnerstag zu einer Revolte gekommen. Dabei brach ein Brand aus. Einer der Toten wies Schussverletzungen auf. Die Häftlinge gingen den Behörden zufolge mit Latten, Messern und Flaschen aufeinander los.

Angehörige warfen den Sicherheitsbehörden schweres Versagen vor, weil sie das Drama nicht verhindert hätten, das als eine der schlimmsten Gefängniskatastrophen des Landes gilt. Die Zustände in dem 1943 eröffneten Gefängnis der nordostmexikanischen Stadt sind von Menschenrechtsgruppen immer wieder kritisiert worden.

Ebenso gibt es Vorwürfe einer mangelnden Kontrolle durch die Polizei innerhalb der Gefängnismauern. Überlebende Rädelsführer sollten erst einmal in andere Gefängnisse verlegt werden. Nach Angaben der Zeitung «El Universal» wurden insgesamt 72 Häftlinge verlegt und 100 zusätzliche Polizisten zur Sicherung des Gefängnisses Topo Chico eingesetzt.

Der Vorfall ereignete sich kurz vor dem Besuch von Papst Franziskus im Land mit der zweitgrößten katholischen Bevölkerung der Welt. Er plant am kommenden Mittwoch auch ein Gefängnis zu besuchen - in der Stadt Ciudad Juárez an der Grenze zu den Vereinigten Staaten. Dort starben 2011 bei einer Gefängnis-Revolte 17 Menschen.

Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto sprach von «tragischen Ereignissen» und drückte den Angehörigen der Toten sein Beileid aus.

In der Nacht zum Donnerstag hatte der Zusammenstoß zwischen rivalisierenden Gruppen begonnen. Auch Juan Pedro Saldívar, alias «Z-27», war an der Gewalteskalation beteiligt. Er ist einer der Köpfe des berüchtigten Verbrechersyndikats Los Zetas.

Im Laufe des Konflikts sei es zum Ausbruch eines Feuers gekommen, Räume mit Lebensmitteln seien in Brand geraten. Auf Bildern waren dichte Rauchschwaden zu sehen. Bei allen Toten handelte es sich nach Behördenangaben um inhaftierte Männer. Nach rund zwei Stunden hätten Sicherheitskräfte die Lage wieder unter Kontrolle bekommen. Niemandem sei die Flucht gelungen. Lange gab es keine Klarheit über die Zahl der Opfer, die mit 52 Toten zunächst falsch angegeben wurde.

Angehörige versuchten erbost, sich Zutritt zu verschaffen. «Wir wollen Informationen, nicht mehr. Wir wollen keine Lügen hören, sondern, dass sie uns die Wahrheit sagen», sagte eine Frau im TV.