Gefahr durch gefälschte Arznei

Ampullen für Krebspatienten mit manipuliertem Inhalt, Pillen ohne ausreichenden Wirkstoff oder verunreinigtes Pulver: Was für Kriminelle ein lukratives Geschäft ist, birgt für Verbraucher und Patienten ein enormes Gesundheitsrisiko.

Gefahr durch gefälschte Arznei: Risiko im Netz «riesengroß»
Stephanie Pilick Gefahr durch gefälschte Arznei: Risiko im Netz «riesengroß»

Der Handel mit illegalen Arzneimitteln wird nach Apothekerangaben zum wachsenden Problem. Gestreckt und gefälscht werde alles, was Profit verspricht, beklagen Experten. Also Lifestyle-Medikamente wie Schlankheits-, Haarwuchs oder Potenzmittel, aber auch hochpreisige Arzneien gegen Krebs, Herzkrankheiten, Hepatitis oder Diabetes. Mit den Fälschungen befasst sich auch ein internationaler Apotheker-Kongress, der am Dienstag mit 3000 Teilnehmern aus 100 Ländern startete. 

Haupteinfallstor für gefälschte Medikamente ist der Internetversand, der grenzüberschreitend funktioniert. "Deshalb ist auch der Kampf gegen Arzneimittelfälschungen eine internationale Aufgabe", sagt Friedemann Schmidt, Präsident der gastgebenden Bundesvereinigung Deutscher Apotheker (Abda). "Das Problem ist, dass die Fälschungen immer besser werden und immer schlechter zu erkennen sind." Manche Fälschungen enthalten keinen oder zu wenig Wirkstoff, dann bleibt die Erkrankung ganz oder unzureichend behandelt. Andere Präparate enthalten schädliche Substanzen.

Bisher ist in Deutschland noch kein Fall bekannt, in dem ein Patient ernsten Schaden genommen hätte durch ein gefälschtes Mittel aus der legalen Verteilerkette, sagt Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, Experte für pharmazeutische Chemie. Der Frankfurter Spezialist rät daher: "Der Patient sollte sich auf die bewährten Strukturen verlassen: Der Arzt verordnet, der Apotheker gibt ab." Die Gefahr, Opfer Krimineller zu werden und gesundheitlichen Schaden zu nehmen, sei dagegen "riesengroß", wenn man im Netz auf eigene Faust ordere.

Abda-Präsident Schmidt sagt allerdings: "Wir beobachten, dass immer öfter versucht wird, gefälschte Arzneimittel in die legale Vertriebskette einzuschleusen". So hatten es einige Fälschungen des Magenmittels Omeprazol in den vergangenen Jahren in Großhandel und Apotheken geschafft.

Und immer wieder stößt der Zoll auf gefälschte Medikamente. "Die Einnahme dieser Arzneimittel kann eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten", warnt das Bundeskriminalamt. Erst vor wenigen Tagen waren rund 3,5 Millionen Tabletten aus Indien in Nordrhein-Westfalen sichergestellt worden, gefälschtes Viagra und gefährliche Schlaftabletten.