Geiger Daniel Hope: Neuer Film, neues Buch, neue CD

Stargeiger Daniel Hope ist unter die Filmemacher gegangen. Wieder eine neue Rolle für den 40-Jährigen.

Geiger Daniel Hope: Neuer Film, neues Buch, neue CD
Britta Pedersen Geiger Daniel Hope: Neuer Film, neues Buch, neue CD

Sein Publikum kennt ihn als herausragenden Interpreten klassischer wie neuer Musik, ferner als Buchautor, Moderator und Festival-Organisator. Der Dokumentarfilm, der im Herbst auf DVD erscheint und den Hope mitproduziert hat, erzählt die Geschichte des KZ Theresienstadt aus der Sicht zweier Überlebender.

Die beiden sind Musiker. Die inzwischen 109-jährige Pianistin Alice Herz-Sommer interviewte Hope in ihrer Londoner Wohnung, mit dem Jazz-Gitarristen Coco Schumann (89) fuhr er nach Theresienstadt. Dort war Schumann als junger Mann interniert, ehe er nach Auschwitz deportiert wurde. «Das war ein sehr groß angelegtes Projekt», erzählt Hope über den Film, bei dem Benedict Mirow Regie führte. Zum Projekt gehörte auch ein Konzert mit Musik aus Theresienstadt mit der Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter in München. Die DVD soll in Schulen im Musik- und Geschichtsunterricht gezeigt werden.

Hope arbeitet zudem an einem neuen Buch, das nächstes Jahr erscheinen soll. Bisher hat der Brite zwei launige Bände über den klassischen Konzertbetrieb («Wann darf ich klatschen?») und über kleine und größere Katastrophen auf den Konzertpodien dieser Welt («toi toi toi») veröffentlicht. In «Familienstücke» erzählte er die Geschichte seiner weit verzweigten Vorfahren in Europa. Jetzt recherchiert Hope über Komponisten, die in den 1930er Jahren vor den Nazis flohen und in Hollywood landeten. «Dazu gehört auch ein CD-Projekt», sagt er. Mehr soll noch nicht verraten werden.

«Ich möchte gerne Neues erleben», bekennt Daniel Hope. Dafür gibt er anderes auf. So legt er in Kürze sein Amt als Künstlerischer Direktor der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern nieder, das er seit 2010 an der Seite von Intendant Matthias von Hülsen innehatte. Der Antritt des neuen Intendanten Markus Fein im Herbst 2013 ist für Hope der richtige Zeitpunkt. «Man ist im Sommer viel gebunden, wenn man bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern in der Planung engagiert ist», sagt er. «Die Festspiele sind ein Riesenbetrieb geworden.» Mehr als 100 Konzerte finden jährlich statt.

Der bestens vernetzte Musiker hatte seinerzeit den Auftrag erhalten, das Klassikfestival internationaler zu machen. Hope organisierte einen Brückenschlag nach Amerika, wo er seit zehn Jahren das Savannah Music Festival im US-Staat Georgia als Künstlerischer Direktor maßgeblich prägt. Eine Kooperation mit dem Lincoln Center und der Carnegie Hall-Academy in New York brachte junge und etablierte Spitzenkünstler aus den USA nach Mecklenburg-Vorpommern. «Es sind zwei völlig verschiedene Welten, die wollten wir zusammenbringen», erklärt Hope. Wunderbare Freundschaften seien entstanden. Ende August und Anfang September gibt es noch einmal drei Konzerte des «Lincoln-Center-Projekts» in Fürstenhagen, Kotelow und Schwerin.

Als Violinist bleibt Hope den Festspielen erhalten, versichert er. Sein Publikum würde ihn auch schmerzlich vermissen, man kennt sich seit 15 Jahren. 1998 gewann Hope mit dem London International Piano Trio den Ensemblepreis der Festspiele, 2006 war er der erste «Künstler in Residence». Eine Saison ohne den charmanten Rotschopf mit der immer höher werdenden Stirn ist für viele schlichtweg undenkbar. «Daniel Hope ist das künstlerische "Urgestein" unserer Festspiele», sagt Festivalgründer von Hülsen. «Er hat uns wie kein Zweiter als Preisträger, Preisträger in Residence und künstlerischer Direktor zu internationalem Profil verholfen.»

Seit er seinen Abschied aus der Führungsriege der Festspiele verkündete, habe er jeden Monat ein Angebot bekommen, ein neues Festival zu gründen oder eines zu übernehmen, erzählt Hope. Er hat sie aber alle ausgeschlagen. Das liegt einerseits an den vielen neuen musikalischen Projekten, die er vorhat. Dazu gehört ein Violinkonzert, das Gabriel Prokofjew, der Enkel von Sergej Prokofjew, für ihn komponiert. Andererseits wartet im Herbst eine Rolle auf ihn, die den Musiker, Organisator und Weltmann ganz neu herausfordern wird: Ende November wird Daniel Hope zum ersten Mal Vater.