Geiselnahme in Sydney löst Terror-Alarm aus

Terror-Alarm in Australien: Ein möglicherweise islamistischer Geiselnehmer hat in einem Café in Sydney zahlreiche Menschen in seine Gewalt gebracht. Die Geiselnahme begann am Montagmorgen und dauerte um Mitternacht (Ortszeit) noch an.

Nach Angaben der Polizei war bis dahin keine der Geiseln verletzt worden. Polizeichef Andrew Scipione äußerte sich nicht zur Identität und den Motiven des Täters. Der Mann hatte zwei Frauen tagsüber gezwungen, eine schwarze Flagge mit dem muslimischen Glaubensbekenntnis in die Fensterscheibe des Cafés zu halten.

Laut Australiens Regierungschef Tony Abbott gab es Anzeichen für einen politischen Hintergrund. Polizeichef Scipione schloss nicht aus, dass sich die Geiselnahme im Lindt Chocolat Café am Martin Place im Geschäftsviertel der australischen Metropole über mehrere Tage hinziehen könnte.

Fünf Menschen konnten im Laufe des Tages aus dem Café entkommen. Fotos zeigten eine junge Angestellte mit Schürze, die mit Panik im Gesicht auf Polizisten in schwerer Montur zurennt. Ob der Geiselnehmer seine Opfer freiließ oder die fünf Geiseln flüchten konnten, sagte die Polizei nicht.

Der Mann war am Morgen um kurz vor zehn Uhr Ortszeit in das Café an dem historischen Platz in der Fußgängerzone gestürmt. In der Umgebung arbeiten Tausende Menschen. In unmittelbarer Nähe liegen mehrere Bankzentralen, das Büro des Ministerpräsidenten von New South Wales und das US-Konsulat.

Wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt der Geiselnahme in dem Café aufhielten, war unklar. Nach Angaben der Vize-Polizeichefin Catherine Burn waren es aber weniger als 30.

Fernsehsender filmten den Geiselnehmer am Morgen durch ein Fenster des Cafés. Auf den Bildern war ein Mann mittleren Alters mit grauem Bart und einem Stirnband mit arabischen Schriftzeichen zu sehen, der einen schwarzen Rucksack trug. Auf der Fahne im Fenster standen die Worte der sogenannten Schahada («Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet»), die auch von Islamisten wie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) benutzt werden.

Die Polizei verhandelte nach eigenen Angaben mit dem Geiselnehmer. Polizeichef Scipione deutete an, dass mehrere Kommunikationskanäle zu dem Mann bestünden. Am Hinterausgang des Cafés waren Dutzende Polizisten mit kugelsicheren Westen und Schusswaffen im Anschlag in Stellung gegangen.

Mehrere Medien berichteten, sie hätten Anrufe von Geiseln aus dem Café erhalten. Verifizieren ließen sich diese Angaben nicht.

Das Gebiet um den Martin Place wurde weiträumig abgesperrt, mehrere Gebäude geräumt. Vorsichtshalber wurde auch das berühmte Opernhaus von Sydney geräumt.

In Australien beginnt gerade der Sommer, es ist Hochsaison und zugleich Vorweihnachtszeit. In Sydney dürften Zehntausende Touristen sein.

In Australien gilt seit September nach Vorfällen Terror-Alarmstufe drei von vier, was bedeutet: «Terroranschlag wahrscheinlich». Bei einer Großrazzia hatte die Polizei damals nach eigenen Angaben einen Anschlag auf australischem Boden vereitelt, bei dem ein beliebiger Passant auf der Straße entführt und enthauptet werden sollte. Australien beteiligt sich mit mehreren Hundert Elitesoldaten und Flugzeugen an der internationalen Allianz gegen die Terrormiliz IS in Syrien und im Irak.

Der Großmufti Australiens verurteilte die Geiselnahme als kriminellen Akt. «Solche Aktionen werden im Islam verurteilt», teilte Ibrahim Abu Mohamed mit.