Geldpolitik hilft Dax über Marke von 11 000 Punkten

Dank positiver Signale von der Geldpolitik hat der Dax die Marke von 11 000 Punkten klar übersprungen. Nach zwischenzeitlich deutlicheren Kursgewinnen stand der deutsche Leitindex am Ende noch 1,14 Prozent höher bei 11 085,44 Punkten.

Der MDax mittelgroßer Werte schloss 0,62 Prozent fester bei 21 270,17 Punkten, während der Technologiewerte-Index TecDax um 0,45 Prozent auf 1826,79 Punkte zulegte.

«Der Dax öffnet die Tür zur Jahresendrally», schrieb Marktexperte Andreas Paciorek von CMC Markets. Allerdings fehle dem Leitindex die Dynamik, nachdem er im späten Handel wieder unter die charttechnisch wichtige 200-Tage-Linie gerutscht sei. Diese gilt als Gradmesser für den längerfristigen Trend. Auch die Vorfreude auf weitere Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Stimulierung der Wirtschaft «ist noch nicht mit Tatsachen unterlegt», warnte der Experte.

Aus dem Protokoll der letzten Zinssitzung des EZB-Rates geht hervor, dass die Währungshüter ihr Inflationsziel von knapp zwei Prozent auf Dauer verfehlen könnten. Dies könnte eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik erforderlich machen, was Aktien gegenüber festverzinslichen Anlagen begünstigen würde.

Auch das Protokoll zur jüngsten Sitzung der US-Notenbank Fed stützte die Börsenkurse: Demnach scheint inzwischen recht sicher, dass die Fed im Dezember zum ersten Mal seit der Finanzkrise von ihrer Nullzinspolitik abrückt und den Leitzins anhebt. Allerdings dürfte sie danach wohl nur sehr behutsam an der Zinsschraube drehen.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 0,50 Prozent auf 3448,93 Punkte. Für die nationalen Indizes in Paris und London ging es ebenfalls nach oben. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial stand zum europäischen Handelsende knapp im Plus.

Unter den Einzelwerten stachen die Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) heraus, die mit plus 4,39 Prozent den Spitzenplatz im Dax eroberten. Der skandalgeplagte Autobauer hat bei der EU-Kommission um eine Fristverlängerung bei den Angaben zum geschönten Kohlendioxid-Ausstoß seiner Fahrzeuge gebeten, wie ein Sprecher der Behörde auf Anfrage bestätigte. Die laut der US-Umweltbehörde CARB drohenden «drakonischen Strafen» wegen manipulierter Diesel-Abgaswerte konnten die Anleger nicht schrecken.

Für die Lufthansa-Titel ging es um 3,75 Prozent bergauf. Sie profitierten laut einem Händler vor allem von einem Vertrag der Lufthansa Technik mit Wizz Air. Die Papiere von Thyssenkrupp gewannen nach Jahreszahlen 2,56 Prozent. Größere Überraschungen im insgesamt soliden Zahlenwerk habe es keine gegeben, hieß es seitens mehrerer Analysten. Auf Lob stieß der Schuldenabbau beim Industrie- und Stahlkonzern Thyssenkrupp.

Im MDax gingen die Papiere von Südzucker auf Berg- und Talfahrt. Am Ende büßten sie als Index-Schlusslicht 4,81 Prozent ein. Die Freude über angehobene Prognosen für das laufende Geschäftsjahr beim Zuckerproduzenten und der Tochter Cropenergies wurde überschattet von eher düstereren Aussichten auf das neue Geschäftsjahr.

Im SDax der geringer kapitalisierten Unternehmen belastete eine inzwischen abgeschlossene Anteilsplatzierung die Zooplus-Aktien mit minus 3,27 Prozent. Burda Digital und BDV Beteiligungen trennten sich von Aktienanteilen. Wegen einer hohen Nachfrage wurde das Angebot sogar noch ausgeweitet. Tags zuvor hatten überraschend starke Gewinne im dritten Quartal des Onlinehändlers für Heimtierbedarf noch für ein Rekordhoch bei 139,20 Euro gesorgt.

Der als sicherer SDax-Aufsteiger für Dezember geltende Autozulieferer Schaeffler überzeugte Analysten zufolge vor allem mit seinem Quartalsergebnis. Die Aktie des erst Anfang Oktober an die Börse gegangenen Autozulieferers schloss 6,34 Prozent im Plus bei 14,50 Euro.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,36 Prozent am Vortag auf 0,35 Prozent. Der Rentenindex Rex verharrte bei 140,28 Punkten. Der Bund-Future legte um 0,16 Prozent auf 158,02 Punkte zu. Der Kurs des Euro stieg auf 1,0745 US-Dollar. Zuvor hatte die EZB den Referenzkurs auf 1,0687 (Mittwoch: 1,0666) Dollar festgesetzt; der Dollar kostete damit 0,9357 (0,9376) Euro.