Heldt setzt auf Breitenreiter - Manager in der Pflicht

 Auf dem Foto strahlen sie um Wette: Lässig in Jeans und Polo-Hemden posieren Horst Heldt und André Breitenreiter und reichen sich die Hände. Der FC Schalke 04 hat dieses Bild am Freitagabend verbreitet und so der Trainersuche ein überraschendes Ende gesetzt.

Breitenreiter, der mit dem SC Paderborn als Tabellenletzter abgestiegen ist, soll es nun als Cheftrainer bei Schalke richten. «Er hat alle Verantwortlichen umfassend überzeugt, dass er der Richtige für unsere Ziele ist», sagte Sportvorstand Heldt. Ausgerechnet für den Manager ist der neue Trainer richtungsweisend - auch für die eigene Zukunft. Sein Vertrag läuft in einem Jahr aus.

Bei seinem fünften Trainercasting, und nach dem «Missverständnis» mit Roberto di Matteo, ist Heldt klar, dass seine wohl «letzte Patrone» das Ziel nicht verfehlen darf. Noch ein Fehlgriff und der Manager wäre beim Revierclub gescheitert. «Die Lösung muss für eine erfolgreiche Zukunft perfekt sein», hatte der 45-Jährige selbst betont. Doch trotz der Brisanz verlief die Trainer-Suche unglücklich.

Die Öffentlichkeit war stets über den Stand der Verhandlungen im Bilde, permanent tauchten Kandidaten und deren Forderungen in den Medien auf. Wie Markus Weinzierl, der den FC Augsburg als Fünfter sensationell vor Schalke in der Abschlusstabelle platziert hat. Doch der Wunschkandidat sagte ab. Oder der frühere Vorzeigeprofi und belgische Nationaltrainer Marc Wilmots, der angeblich vier Millionen Euro Jahresgehalt haben und seinen Trainerstab mitbringen wollte.

Doch Heldt blieb standhaft, wählte die vermeintlich «kleine Lösung» und landete mit Breitenreiter einen Überraschungscoup. Das Breitenreiter, den keiner auf dem Zettel hatte, nicht die erste Wahl war, ist dem Ex-Profi (144 Bundesligaspiele) scheinbar egal: «Mich interessiert nicht, was vorher gelaufen ist oder nicht. Ich freue mich auf diese neue Herausforderung bei einem großartigen Club», sagte Breitenreiter der «Bild». Am Montag wird er offiziell präsentiert.

Den ersten Kontakt zu Heldt habe es am Mittwoch gegeben. Zwei Tage später besiegelten beide per Handschlag eine Zusammenarbeit bis 2017. «Die Unterschrift werden wir in den nächsten Tagen nachholen. Aber das Wort zählt ja...», so Breitenreiter, für den Paderborn noch eine geschätzt Ablösesumme von 500 000 Euro kassiert.

Doch die Vorgaben an den neuen Trainer sind hoch: Attraktiven Offensivfußball und Erfolg wird von ihm und seinen Spielern verlangt. Nachdem die Schalker als Tabellensechster die Erwartungen nicht erfüllen konnten und von den Fans für ihre fußballerischen Leistungen heftig kritisiert wurden, hofft Breitenreiter auf die Wende: «Wir müssen mit ehrlichem Fußball die Herzen der Fans zurückgewinnen. Wenn wir aber zusammen erfolgreich spielen, hilft das am Ende auch jedem einzelnen.» Und es festig die Position von Sportvorstand Heldt.

In Paderborn hingegen, wo schon der Ex-Hertha-Coach Jos Luhukay und der Leverkusener Roger Schmidt das Sprungbrett zu höheren Aufgaben in die Bundesliga nutzen, ahnten sie Breitenreiters Abschied bereits. «Man spürt, wenn es keinen Sinn macht, weitergehende Gespräche zu führen», sagte Präsident Wilfried Finke. Der Zweitligist habe «einen Plan B in der Schublade» und will einen Nachfolger zeitnah vorstellen.