George Grosz' Bühnenbilder und Zeichnungen in Solingen

Selten gezeigte Bühnenbilder und hochpolitische Zeichnungen aus dem Nachlass des gesellschaftskritischen Künstlers George Grosz (1893-1959) sind in Solingen zu sehen.

George Grosz' Bühnenbilder und Zeichnungen in Solingen
Kunstmuseum Solingen George Grosz' Bühnenbilder und Zeichnungen in Solingen

Die von Grosz' Nachlassverwalter Ralph Jentsch kuratierte Ausstellung «George Grosz. Alltag und Bühne - Berlin 1914-1931» ist die erste Schau des neu gegründeten Zentrums für verfolgte Künste im Kunstmuseum Solingen in Nordrhein-Westfalen. Die rund 120 Arbeiten werden bis Mitte Juni in Solingen und anschließend ab Ende Juni bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth präsentiert, sagte Museumsleiter Rolf Jessewitsch im Vorfeld der am Donnerstag präsentierten Ausstellung.

Grosz, Vertreter der Berliner Dada-Bewegung und später der neuen Sachlichkeit, deckte in seinen satirischen Bildern die Abseitigkeiten und die Doppelmoral der Großstadt zur Zeit der Weimarer Republik auf. 1933 emigrierte er in die USA.

Gleich dreimal musste er sich in den 20er Jahren vor Gericht für die Mappenwerke «Gott mit uns», «Ecce Homo» und «Hintergrund» verantworten. Letzteres enthält die kleine Zeichnung «Maul halten und weiter dienen», die auch als «Christus mit der Gasmaske» bekanntwurde und zu einem der längsten Prozesse der Weimarer Republik führte. Alle diese Mappenwerke werden in der Ausstellung gezeigt.

«Es wird deutlich, wie aktuell die politischen Blätter von Grosz noch heute sind», sagte Jentsch. So ist in einer Zeichnung von 1924 ein Stiefel zu sehen, der auf einen Flüchtling tritt. «Es ist spannend zu sehen, dass sich an den politischen Problemen im Umgang mit Menschen nichts geändert hat», sagte Jentsch. «Es ist, als wären die Zeichnungen heute entstanden.»

Eine eher unbekannte Seite von Grosz sind dessen aquarellierte Bühnenbildentwürfe für Theateraufführungen in Berlin. Grosz arbeitete an bekannten Bühnen etwa von Erwin Piscator mit den Großen der Literatur- und Theaterwelt zusammen - von Georg Kaiser über George Bernhard Shaw bis Arnold Zweig und Jaroslav Hašek.