Gericht will über Amokschützen aus Mittelfranken entscheiden

Im Verfahren um eine tödliche Amokfahrt durch Mittelfranken im vergangenen Sommer will das Landgericht Ansbach seine Entscheidung verkünden. Zuvor sind die Schlussvorträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung geplant.

Gericht will über Amokschützen aus Mittelfranken entscheiden
Daniel Karmann Gericht will über Amokschützen aus Mittelfranken entscheiden

Ursprünglich war die Anklage von Mord in zwei Fällen und versuchtem Mord ebenfalls in zwei Fällen ausgegangen. Doch Oberstaatsanwalt Gerhard Neuhof hält inzwischen eine Strafe wegen Totschlags für angemessen, weil sich das Mordmerkmal der Heimtücke wegen einer psychischen Erkrankung des Beschuldigten nicht beweisen lasse.

Der 48-Jährige soll im Juli 2015 in zwei Ortsteilen von Leutershausen bei Ansbach zuerst eine 82 Jahre alte Frau und danach einen 72 Jahre alten Radfahrer aus seinem Auto heraus erschossen haben. Danach fuhr er laut den Ermittlungen weiter und schoss auch auf eine Autofahrerin und später auf einen Traktorfahrer. In beiden Fällen verfehlte er aber glücklicherweise sein Ziel. Später soll er noch einen Arbeiter bedroht haben. An einer Tankstelle in Bad Windsheim konnten Mitarbeiter den Mann schließlich überwältigen und festhalten, bis die Polizei eintraf. Rund eineinhalb Stunden lang dauerte die Amokfahrt.

Der Mann muss nach dem sogenannten Sicherungsverfahren aller Voraussicht nach wohl nicht ins Gefängnis, sondern könnte in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen werden. Ein Sachverständiger hatte bei ihm eine paranoide Schizophrenie festgestellt, daher gilt er als schuldunfähig.

Am Tag der Bluttat hatte der Mann aus Sicht des Gutachters einen akuten Schub seiner Krankheit. Dieser habe bei ihm zu einem völligen Realitätsverlust geführt. Er habe seine Opfer nicht als Menschen erkannt, sondern als Werwölfe und Vampire gesehen. In einer Erklärung hatte der 48-Jährige zu Prozessbeginn seine Taten bedauert und die Angehörigen der Opfer um Entschuldigung gebeten.