German Pellets stellt Insolvenzantrag in Eigenverwaltung

Der Wismarer Brennstoff-Hersteller German Pellets hat einen Insolvenzantrag gestellt. Tausende Geldgeber fürchten nun um ihre Anlagen, Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze.

Wie das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung an die Börse schrieb, beantragte es ein Verfahren auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Bei dieser Variante des Insolvenzverfahrens kann die Geschäftsleitung im Amt bleiben, ihr wird allerdings ein sogenannter Sachwalter zur Seite gestellt. Der Geschäftsbetrieb soll nach Firmenangaben während des gesamten Verfahrens in vollem Umfang fortgeführt werden.

Das Amtsgericht Schwerin hatte zuvor lediglich mitgeteilt, es sei ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens eingegangen. Das Insolvenzgericht müsse den Antrag nun prüfen. Eine gesetzliche Frist dafür gebe es nicht, sagte Direktorin Monika Köster-Flachsmeyer. 

Für die Sanierung ist German Pellets zufolge Frank Günther von der Münchener Beratungsgesellschaft One Square Advisors Mitglied der Geschäftsführung geworden. Die Produktion soll weiterlaufen, alle Aufträge würden weiter produziert und ausgeliefert, hieß es.

Günther solle in Absprache mit den Gläubigern ein Sanierungskonzept entwickeln und umsetzen. Zudem soll er die weltweit rund 650 Mitarbeiter umgehend über die weiteren Schritte unterrichten. Die Löhne und Gehälter seien über das Insolvenzgeld drei Monate sicher.  

Als Gründe für die wirtschaftlichen Probleme nannte German Pellets den Verfall des Ölpreises, durch den auch der Marktpreis für Holzpellets unter Druck geraten sei. Zudem seien die Umsätze wegen zweier warmer Winter eingebrochen. Drittens habe sich die Übernahme des Ofenbauers Kago im Jahr 2010 als Fehlinvestition erwiesen.

Anlegervertreter hatten mit einem Insolvenzantrag gerechnet, nachdem German Pellets eine Gläubigerversammlung ohne Begründung kurzfristig abgesagt hatte. Auf der Versammlung sollte es formal um eine Anleihe mit einem Volumen von 52,4 Millionen Euro gehen, die zum 1. April hätte zurückgezahlt werden müssen.

German Pellets hatte die Gläubiger um eine Laufzeitverlängerung von zwei Jahren bis zum 31. März 2018 gebeten. Außerdem sollte der Zinssatz von 7,25 auf 5,25 Prozent reduziert werden. Im Gegenzug sollten die Anleiheinhaber 50 Prozent der Gesellschaftsanteile an der German Pellets GmbH als Sicherheit erhalten. Anlegervertreter wie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger warnten vor den Vorschlägen.

Das Inkasso-Unternehmen Creditreform Mecklenburg-Vorpommern in Rostock berichtete, German Pellets habe seit Jahresende 2015 relativ plötzlich Rechnungen nicht mehr beglichen, etwa von Holzlieferanten.

German Pellets ist über zwei weitere, ebenfalls mit 7,25 Prozent verzinste Anleihen mit weiteren 172 Millionen Euro bei Anlegern in der Schuld. Die Laufzeit dieser Anleihen endet aber erst 2018 beziehungsweise 2019. Die Anleihen von German Pellets verloren nach der Absage der Gläubigerversammlung weiter dramatisch und notierten am Mittwoch zwischen 0,2 und knapp 2 Prozent des Nennwerts.

Die Anwaltskanzlei Nieding+Barth kritisierte, die betroffenen Anleger hätten kaum eine Chance gehabt, auf die negative Entwicklung zu reagieren. Was der Insolvenzantrag für die betroffenen Anleger bedeute, sei noch nicht absehbar.

Nach Angaben der IG Metall, die auch Arbeitnehmer in der Holzverarbeitung vertritt, existiert bei German Pellets in Wismar mit rund 150 Beschäftigten kein Betriebsrat. Es könne damit weder Sozialplan noch Interessensausgleich geben, sagte Gewerkschaftssekretär Maik Schwaß.