Geschwister-Scholl-Preis für Otto Dov Kulka

Der israelische Historiker und Holocaust-Überlebende Otto Dov Kulka wird mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet.

Geschwister-Scholl-Preis für Otto Dov Kulka
Atta Awisat Geschwister-Scholl-Preis für Otto Dov Kulka

Er erhält den Preis für sein Buch «Landschaften der Metropole des Todes», wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in München mitteilte. Kulka wurde 1933 in der Tschechoslowakei geboren und überlebte als Kind das Konzentrationslager Auschwitz.

Sein Leben lang habe er sich wissenschaftlich mit der Geschichte des jüdischen Volkes befasst, ohne sein eigenes Schicksal zum Thema zu machen. In den «Landschaften der Metropole des Todes» breche Kulka erstmals mit dieser strikten Trennung. «Damit reicht sein Werk über die historischen Fakten hinaus und regt ein Nachdenken über die Bedingungen des Erinnerns an», hieß es in der Begründung. Sein Buch sei kein klassisches Erinnerungsbuch, «sondern eine Reflexion über die Chancen und Grenzen des Erfassens und Verstehens und eine schmerzliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Gedächtnis», urteilte die Jury.

Nach längerer Zeit geht der mit 10 000 Euro dotierte Geschwister-Scholl-Preis damit wieder an einen Autor, der sich mit dem Holocaust auseinandersetzt. «In einer Zeit, in der sich die Frage nach der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Ermordung der Juden in Europa neu stellt, ehrt die Jury des Geschwister-Scholl-Preises einen herausragenden Forscher und Schriftsteller, der mit seinen "Landschaften der Metropole des Todes" zu einem mutigen Selbst-Erforscher und einem Erkunder der Abgründe des Menschlichen geworden ist.» Die Preisverleihung findet am 18. November in der Ludwig-Maximilians-Universität München statt.

Im vergangenen Jahr war der Preis an Andreas Huckele gegangen, der unter dem Pseudonym Jürgen Dehmers mit seinem Buch «Wie laut soll ich denn noch schreien?» den Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule an die Öffentlichkeit gebracht hatte. Weitere Preisträger in den vergangenen Jahren waren der chinesische Dissident Liao Yiwu und der heutige Bundespräsident Joachim Gauck.