Gewalt bei Flüchtlingen: Experten gegen Trennung nach Religion

Trennung nach Nation oder Religion, Streitschlichter oder Videoüberwachung: Nach mehreren gewaltsamen Auseinandersetzungen in Flüchtlingsunterkünften ist eine Debatte darüber entbrannt, wie sich solche Vorfälle verhindern lassen.

Viele Politiker und Experten sprachen sich dagegen aus, Asylbewerber nach Herkunft, Sprache oder Religion zu trennen. «Eine Trennung nach Religionen oder gar Ethnien ist bei dem derzeitigen Ansturm kaum praktikabel», sagte etwa der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Roger Lewentz (SPD), der Deutschen Presse-Agentur.

Die wichtigste Aufgabe sei, geflohenen Menschen ein Dach über dem Kopf zu bieten. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hält eine Trennung derzeit für nicht machbar: «Das ist praktisch in der jetzigen Lage unmöglich.» Dafür müssten die Kommunen zurzeit zu viele Menschen unterbringen.

Wie angespannt die Lage in vielen Unterkünften ist, zeigen neue Tumulte in einem Flüchtlingsheim in Donaueschingen in Baden-Württemberg. Dort gerieten am Montag Bewohner unterschiedlicher Nationen in einen heftigen Streit. Die Polizei konnte mit einem Großaufgebot eine Eskalation verhindern.

Im nordhessischen Calden führte am Sonntag eine Rangelei zwischen zwei Bewohnern während der Essensausgabe zu einer Massenschlägerei unter 300 Albanern und 70 Pakistanern. 14 Menschen wurden dabei verletzt.

Gut sechs Wochen nach dem Gewaltausbruch in der Erstaufnahmestelle in Suhl wird inzwischen gegen 60 Beschuldigte ermittelt. 15 von ihnen wurden am Dienstag festgenommen, wie Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) sagte. Gegen sie lagen Haftbefehle vor. Am 19. August war dort die Lage eskaliert, nachdem ein 25-Jähriger mehrere Seiten aus einem Koran gerissen und demonstrativ in eine Toilette geworfen haben soll.

Achim Post, Vorsitzender der nordrhein-westfälischen Landesgruppe in der SPD-Bundestagsfraktion, betonte in der «Rheinischen Post»: «Das Hauptproblem ist nicht die Ethnie oder die Religion, sondern die Zustände und die beengten Wohnmöglichkeiten.» Auch der rheinland-pfälzische Flüchtlingspfarrer Siegfried Pick sieht die Auseinandersetzungen als Ausdruck einer verfehlten Politik: «Wer Menschen so unterbringt, kalkuliert Konflikte und Auseinandersetzungen ein.» Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte dafür plädiert, die Menschen nach ihrer Religion getrennt unterzubringen.

Statt einer Trennung schlug die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor vor, Streitschlichter in den Unterkünften einzusetzen. Natürlich komme es zu Konflikten, wenn so viele Menschen auf engem Raum zusammenleben müssten, sagte sie im ZDF-«Morgenmagazin». Die Einschätzung, dass sich in den Unterkünften ein «explosives Gemisch» zusammenbraue, bezeichnete sie aber als «populistisches Gerede».

Um die Bewohner zu schützen will Baden-Württemberg Erstaufnahmeeinrichtungen künftig per Video überwachen. Derzeit werde jedes Objekt daraufhin überprüft, ob dies notwendig und mit dem Datenschutz vereinbar sei, sagte der Leiter der operativen Stabsstelle beim Land für Flüchtlingsangelegenheiten, Hermann Schröder. In den nächsten Wochen würden die Maßnahmen umgesetzt.