Gewalt im Südsudan weitet sich aus

Die schweren Unruhen im Südsudan haben von der Hauptstadt Juba auf andere Landesteile ausgeweitet. Im östlichen Bundesstaat Jonglei waren am Mittwochmorgen ebenfalls Schusswechsel zu hören.

Gewalt im Südsudan weitet sich aus
Phillip Dihl Gewalt im Südsudan weitet sich aus

Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass zahlreiche Bürger in den umliegenden Busch geflüchtet seien. Andere brachten sich auf dem Gelände der UN-Friedensmission UNMISS in Sicherheit.

Eine Gruppe Soldaten, die gegen die Regierung von Präsident Salva Kiir ist, habe den Flughafen in der Stadt Bor - der Hauptstadt von Jonglei - unter Kontrolle gebracht, hieß es. «Die Rebellen haben Militärkasernen und den Airport eingenommen», berichtete der örtliche Journalist Jacob Jok. «Wir verstecken uns im Busch, nördlich der Stadt.»

Die Gewalt soll in Zusammenhang mit den Unruhen in Juba stehen. Beobachter erklärten, die Ausschreitungen hätten sowohl politische als auch ethnische Hintergründe. In Jonglei leben mehrere verfeindete Volksgruppen. Immer wieder kommt es zu Attacken.

Jedoch gilt Kiirs Führungsstil als Hauptauslöser des Chaos. Der Staatschef hatte im Juli sein gesamtes Kabinett entlassen, darunter auch seinen Stellvertreter Riek Machar. Seither ist ein politischer Machtkampf entbrannt. Die Regierung sprach bereits am Montag von einem misslungenen Putschversuch. Mehrere ehemalige Minister wurden offenbar festgenommen.

UN-Angaben zufolge könnte es in den vergangenen Tagen bereits mehrere Hundert Tote gegeben haben. Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates seien «ernsthaft besorgt», hieß es in New York. Der für Friedenseinsätze zuständige Untergeneralsekretär Herve Ladsous hatte dem Gremium zuvor hinter verschlossenen Türen nach Medienangaben von 400 bis 500 Toten berichtet. Die Zahlen wollte der französische UN-Botschafter und derzeitige Sicherheitsratsvorsitzende Gerard Araud jedoch zunächst nicht bestätigen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte dem südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir am Dienstag per Telefon seine Besorgnis über die Kämpfe übermittelt und zu einer sofortigen Waffenruhe aufgerufen. Rund 13 000 Zivilisten hätten bereits in den Gebäuden der UN in Juba Schutz gesucht. Auch die Afrikanische Union hatte alle Beteiligten dringend zur Suche nach friedlichen Lösungen aufgefordert.