Gewalt macht Beamten wachsende Sorgen

Gewaltbereitschaft und Gereiztheit von Bürgern setzen den Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes in Deutschland nach Einschätzung der Gewerkschaften immer mehr zu. 

Gewalt macht Beamten wachsende Sorgen
Britta Pedersen Gewalt macht Beamten wachsende Sorgen

Das betonten der Beamtenbund (dbb) und die Gewerkschaft der Beschäftigten der Kommunen, komba, unmittelbar vor der in Köln beginnenden dbb-Jahrestagung. Erwartet wird, dass Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und dbb-Chef Klaus Dauderstädt zum Auftakt zudem auch auf die Terrorakte von Paris eingehen.

Seit Wochen hatte der dbb bereits den Plan, Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst auf dem Kongress zu einem Schwerpunkt zu machen. Zuletzt hatte im Dezember ein Mann einen Gutachter eines Jobcenters in Rothenburg ob der Tauber getötet. 

«Wir brauchen dringend ein breites Bewusstsein zur spürbar wachsenden Gewaltbereitschaft», sagte der komba-Vorsitzende Ulrich Silberbach der Deutschen Presse-Agentur in Köln. Die komba gehört dem dbb an. In den Jobcentern vergehe kaum ein Tag, an dem Mitarbeiter nicht beschimpft werden. «Sie müssen froh sein, wenn es nicht handgreiflich wird.» Die Gereiztheit sei gestiegen.

«Es geht nicht nur um Jobcenter», sagte Silberbach. «An Silvester ist es vorgekommen, dass unsere Rettungskräfte mit Böllern beschossen werden, wenn sie zu einem Unglücksort gekommen sind.» Mitarbeiter würden in Sicherheitsfragen und Deeskalation geschult. Verbindungstüren und Notfallpläne könnten helfen. «Doch das reicht nicht.» Alle seien zum Umdenken aufgefordert.

Dauderstädt sagte der Ludwigshafener «Rheinpfalz» (Montag), um die Beschäftigten besser zu schützen, sei eine Palette von Maßnahmen nötig - von gläsernen Wänden bis Alarmeinrichtungen.

Zentrales Thema für Beamte und Beschäftigte des öffentlichen Diensts sind zudem dortige Personallücken. Laut den Gewerkschaften bekommen die Bürger das immer mehr zu spüren.

Beispiel Kita: «Es ist ein Drama, was in Deutschland bei der Kinderbetreuung geschieht», sagte Silberbach. Zur Erfüllung des Anspruchs auf Betreuung Unter-Dreijähriger fehlten Erzieher. Die Politik versuche oft, Lücken durch nicht genug ausgebildete Kräfte zu schließen. Viele dieser Mitarbeiter hätten nicht die Erzieher-Ausbildung von dreieinhalb bis fünf Jahren.

Beispiel Jugendamt: «Die schlimmen Fälle von Kindesmissbrauch haben die Öffentlichkeit zu Recht aufgeschreckt», meinte Silberbach. Um sich mehr um die Kinder zu kümmern, brauche es aber auch entsprechend Personal. «Wir dürfen nicht alle Eltern in eine Täterrolle bringen, und Kinder dürfen nicht zu Opfern werden.» Da brauche es mehr Hinhören und Hinschauen, sensibles Kümmern und Vernetzung der Behörden. «Das geht nur, wenn es auch genügend Sozialarbeiter und Jugendamtspersonal gibt.»

Beispiel Feuerwehr: Laut Silberbach war es lange undenkbar, dass die Feuerwehr bei mehreren parallelen Großbränden mangels Kapazität nicht hinterherkomme. «So ein Schreckensszenario ist heute realistisch.» Es gebe zwar die Möglichkeit, dass die Einsatzbeamten über gesetzliche Grenzen hinaus arbeiten dürfen. «Aber wir brauchen bundesweit gleiche Standards und keine gestreckten Dienstpläne und Lückenfüllerei.»