Gewaltausbruch in übervollem Thüringer Flüchtlingsheim

120 Polizisten sowie Sanitäter und Feuerwehrleute waren im Einsatz, um den Gewaltausbruch, bei dem Eisenstangen, Steine, Betonklötze und Möbel flogen, unter Kontrolle zu bringen.

Gewaltausbruch in übervollem Thüringer Flüchtlingsheim
Martin Wichmann Gewaltausbruch in übervollem Thüringer Flüchtlingsheim

Mehrere Polizeiautos sowie Einrichtungen des Heims wurden stark beschädigt. Eskaliert war die Situation am Mittwochabend, tags darauf beruhigte sich die Lage dann wieder. In der Erstaufnahmeeinrichtung sind statt der maximal vorgesehenen 1200 derzeit 1800 Flüchtlinge untergebracht.

Laut Lauinger wurde der aus Afghanistan stammende Heimbewohner von anderen Flüchtlingen angegriffen, darunter waren mehrere Syrer. Er konnte sich den Angaben zufolge in ein Büro des Wachdienstes retten, das zeitweise von bis zu 100 Gewalttätern belagert wurde. Zu seinem eigenen Schutz wurde er in Gewahrsam genommen. Die Polizei ermittelt nun wegen Körperverletzung und Landfriedensbruchs gegen Unbekannt.

Bei dem Gewaltausbruch sei «eine rote Linie massiv überschritten worden», sagte der Migrationsminister. Das müsse Konsequenzen haben. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sprach sich bei MDR Info für getrennte Flüchtlingsunterkünfte für verschiedene Ethnien aus, um ähnliche Eskalationen zu verhindern. Zur Entschärfung der Situation seien in den vergangenen Tagen bereits Flüchtlinge in drei Ausweichquartieren untergebracht worden.

Im Gegensatz zu Kommunalpolitikern und Vertretern des Flüchtlingsrates sieht Lauinger die Ursache für die Krawalle aber nicht in der Überbelegung des Heimes: Letztlich habe bloß die Handlung einer Person zu dem Aufruhr geführt. Zur Religion des Mannes aus Afghanistan machte der Minister keine Angaben.

Suhls Oberbürgermeister Jens Triebel (parteilos) nannte die Überbelegung der Erstaufnahmeeinrichtung verantwortungslos. Die Ausschreitungen hätten gezeigt, wie schnell die Situation in dem aus mehreren Wohnblocks bestehenden Heim eskalieren könne. Es sei auch inakzeptabel, dass Flüchtlinge bis zu zwei Stunden an der Essensausgabe anstehen müssten. Als unerträglich empfinde er zudem, dass rechte Gruppierungen schon jetzt mit einem Demonstrationsaufruf versuchten, die Vorfälle in dem Heim zu instrumentalisieren.