Gewerkschaft: Karstadt stellt alle Filialen auf den Prüfstand

Beim krisengeplagten Warenhauskonzern Karstadt befürchtet der Betriebsrat noch schärfere Einsparungen. Die Unternehmensleitung habe angekündigt, neben der bekannten Schließung von sechs Standorten jetzt alle Filialen auf den Prüfstand zu stellen.

Gewerkschaft: Karstadt stellt alle Filialen auf den Prüfstand
Martin Gerten Gewerkschaft: Karstadt stellt alle Filialen auf den Prüfstand

Dies teilte der Gesamtbetriebsrat den rund 17 000 Beschäftigten in einem Flugblatt mit. Nach Rechnung des Gesamtbetriebsrates sollen Personalkosten im Volumen von 1950 Vollzeitstellen gestrichen werden. «Unter Berücksichtigung der Teilzeitquote wären das circa 3000 Mitarbeiter», heißt es in dem Flugblatt.

Dies sei kein Sanierungsprogramm, sondern ein «Frontalangriff auf alle Beschäftigten», erklärte der Gesamtbetriebsrat. Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi kündigten Widerstand gegen das «Paket an Grausamkeiten» an. Das Unternehmen nahm zunächst keine Stellung zu dem Flugblatt, über das zuvor auch das «Handelsblatt» berichtet hatte.

Kommenden Mittwoch (12.11.) sind Verhandlungen zwischen Gesamtbetriebsrat und Unternehmen geplant, am Montag (17.11.) verhandelt der Konzern mit Verdi über mögliche Kürzungen tariflicher Leistungen. Nach dem Flugblatt plant das Unternehmen, die Arbeitszeit von durchschnittlich 37,5 auf 40 Stunden pro Woche zu erhöhen. «Mit uns gibt es keine Arbeitszeitverlängerung und keinen Abbau von Sonderzahlungen», sagte ein Verdi-Sprecher.

Der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl hatte unmittelbar nach seiner Ernennung vor rund zwei Wochen bereits die Schließung von insgesamt sechs Standorten in Stuttgart, Hamburg-Billstadt, Göttingen und Köln sowie zwei Schnäppchen-Centern in Paderborn und Frankfurt/Oder angekündigt. Davon seien 331 Mitarbeiter direkt betroffen, heißt es in dem Flugblatt.

Für die Karstadt-Beschäftigten gilt bereits seit 2013 eine bis 2015 befristete «Tarifpause». Die Aussetzung von Tariferhöhungen solle nun «über einen langen Zeitraum» verlängert werden, so der Gesamtbetriebsrat. Außerdem seien Einsparungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld, mehr Teilzeitbeschäftigung, noch flexiblere Arbeitszeiten und die Einführung von Selbstbedienungszonen für die Kunden geplant.

Der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl will bereits bis Mitte 2015 bei den defizitären Warenhäuser die Wende schaffen, wie er Ende Oktober in einem Brief an die Mitarbeiter geschrieben hat. «Es gibt weitere Filialen, die defizitär sind und bei denen wir hart daran arbeiten müssen, sie zu drehen. Aber bei allem was wir tun - unsere Zeit ist knapp: Wir werden den Turnaround aller defizitären Filialen bis Mitte 2015 geschafft oder Lösungen für die Standorte gefunden haben, an denen uns dies nicht gelungen ist», hatte Fanderl schon in diesem Brief geschrieben.

Die Warenhauskette hat nach früheren eigenen Angaben auch im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/14 rote Zahlen geschrieben. Gleichzeitig gingen die Umsätze zurück. Das Unternehmen habe seit der Insolvenz im Jahr 2009 fast 30 Prozent seiner Kundschaft im Alter zwischen 35 und 50 Jahren sowie bei den über 55-Jährigen verloren, klagte Fanderl. Mehr als jede vierte Filiale verdiene kein Geld. Einige seien sogar «dunkelrot». Fanderl gibt sich drei Jahre Zeit, um wieder auf ein akzeptables Ergebnisniveau zu kommen.