Gewinnmitnahmen bremsen Rekordlauf im Dax

Die Anleger haben nach dem jüngsten Rekordlauf am deutschen Aktienmarkt Kasse gemacht.

Gegen Mittag lag der Dax 0,10 Prozent im Minus bei 11 398,53 Punkten. Erst am Morgen hatte der deutsche Leitindex seinen seit Wochen andauernden Höhenflug fortgesetzt und die Rekordlatte auf 11 465 Punkte gelegt.

Während sich die Technologiewerte noch im Plus halten konnten, rutschten viele Standardwerte ins Minus. Laut Händlern gab es keinen klaren Grund. Nach dem Rekordlauf fehlten einigen wohl die Argumente für weitere Käufe: «Die Skeptiker haben mit Gewinnmitnahmen kurzfristig die Überhand», sagte ein Händler.

Zudem wurde nach dem jüngsten Rekordlauf an den US-Börsen mit einen minimal schwächeren Start an der Wall Street gerechnet. Dies drücke auch auf die Stimmung der Anleger diesseits des Atlantiks, sagten Börsianer.

Der MDax verlor bis zum Mittag 0,15 Prozent auf 20 112,29 Punkte. Das Barometer des deutschen Mittelstands hatte am Vortag bei mehr als 20 278 Punkten ebenfalls einen Rekord markiert.

Der Technologiewerte-Index TecDax erreichte ein Hoch seit Juni 2001. Am Mittag stand er noch 0,10 Prozent im Plus bei 1586,31 Punkten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 bröckelte um 0,16 Prozent ab.

Experten hatten ohnehin zunehmend die Frage aufgeworfen, ob es im aktuellen Anstieg nicht auch mal zu einer Korrektur kommen müsse.

Sie verweisen vor allem auf technische Gründe: Die Ampel stehe schon auf Gelb bis Gelb-Orange, erklärte Franz-Georg Wenner vom Börsen-Statistikmagazin Index-Radar nach einem Blick auf den Kursverlauf in den vergangenen 200 Tagen - ein unter Börsianern populärer Indikator für langfristige Trends.

In der Vergangenheit seien Aufwärtsbewegungen ins Stocken geraten, wenn der Index mehr als 14 Prozent über seinen Mittelwert geklettert sei. Der Dax liege nun rund 16 Prozent darüber.

Am Morgen hatten unter anderem positiv aufgenommene Konzernbilanzen für Kauflaune gesorgt. Auch erfreuliche Einzelhandelsumsätze aus Deutschland und die gute Wirtschaftsleistung der Schweiz trieben Händlern zufolge die Kurse.

Vor allem aber treibt die Geldflut der Notenbanken die Aktienmärkte, zumal die Zinsen für Anleihen im Keller sind. Seit Anfang 2015 hat der Dax mehr als 16 Prozent zugelegt. Der Rekordlauf war zeitweise von Sorgen um die Krisen in Griechenland und der Ukraine abgebremst worden. Diese sind am Aktienmarkt aber in den Hintergrund gerückt.

Die Bilanz für das Jahr 2014 trieb die zuletzt gut gelaufenen Papiere der Merck KGaA um weitere 0,56 Prozent nach oben auf 94,80 Euro. Der Pharma- und Chemiekonzern blickt aus Sicht mehrerer Analysten auf ein starkes Jahresende zurück. Die Zahlen lagen auch etwas über den Prognosen von Experten. Ein Händler sagte aber: «Der Ausblick auf das Jahr 2015 klingt konservativ und für mich nicht sehr überzeugend.»

Evonik-Aktien kletterten nach der Vorlage von Geschäftszahlen an die Spitze im MDax. Ein Händler bezeichnete die Eckdaten des Spezialchemiekonzerns für 2014 als «in Ordnung». Zudem liege die Ausschüttung mit 1,00 Euro Dividende je Aktie im Rahmen der Erwartungen. Evonik hatte von einer schrittweisen Erholung der Preise von Kernprodukten profitiert. Die Aktie gewann 1,59 Prozent.

Adidas-Aktien kletterten mit plus 2,44 Prozent auf 70,56 Euro an die Spitze im Dax. Händler verwiesen auf technische Gründe, nachdem die Anteile an dem Sportartikelhersteller am Vortag erstmals seit Ende Juli über 70 Euro schließen konnten. Damals hatte Adidas seine Investoren mit einer Gewinnwarnung geschockt.

Papiere der Deutschen Telekom rutschten dagegen mit minus 1,29 Prozent auf 16,45 Euro ans Dax-Ende. Die T-Aktie war zuletzt deutlich gestiegen und hatte am Morgen noch den höchsten Stand seit Anfang 2005 erreicht.

Mehrere leicht negative Nachrichten drücken einem Händler zufolge dann aber auf die Stimmung: Zum einen stemme sich die Monopolkommission gegen weitere Privilegien für den Ausbau des schnellen Breitbandnetzes bei dem Telekomkonzern.

Zum anderen würden in den kommenden vier Jahren mehr als 6 Milliarden Euro in das europäische Netz investiert. Laut Deutsche Bank gibt es zudem die Aussicht auf ein Gebot der Deutschen Telekom für die restlichen Anteile an der griechischen Telefongesellschaft