Gianis Varoufakis: Betont lässig und provokant

Einen derart lässig auftretenden Staatsgast hat die Bundesregierung eher selten zu Besuch. Griechenlands neuer Finanzminister Gianis Varoufakis (53), ein linker Wirtschaftsprofessor, tritt in den Hauptstädten Europas betont leger auf, mit Rucksack und Hemd über der Hose.

Gianis Varoufakis: Betont lässig und provokant
Arne Dedert Gianis Varoufakis: Betont lässig und provokant

Für die Anreise wählt der parteilose Politiker die Economy-Klasse im Linienflieger.

Varoufakis gilt in seinem Heimatland als «Popstar» der Ökonomie. Sein Ego wird von Weggefährten als riesengroß beschrieben. Varoufakis habe eine scharfe Zunge und provoziere gern.

Der gebürtige Athener ist viel in der Welt herumgekommen und international gut vernetzt. Er lehrte unter anderem in Sydney, Glasgow und zuletzt an der Universität von Texas in Austin.

Mit seinen provokanten Sprüchen macht er bereits Schlagzeilen - etwa: «Wenn es in Griechenland kein Wirtschaftswachstum gibt, werden die Kreditgeber keinen Cent sehen.» Er macht aber auch Rückzieher oder sieht sich missverstanden: So korrigierte er ältere Aussagen, die Deutschen würden so oder so zahlen: «Ich habe lediglich gesagt, die Deutschen haben zu viel Geld (an Griechenland) gezahlt.»

Aber auch vor provokanten Worten an die Adresse seiner Landsleute schreckt Varoufakis nicht zurück. Die Zeiten endlosen Konsumierens seien vorbei. Wohlstand sei nicht, «wenn viele Luxusautos auf den Straßen fahren», sagte er einen Tag nach seiner Vereidigung.