Gladbachs Champions-League-Auftakt eine Frage der Ehre

Die Rückkehr in die europäische Königsklasse sollte ein großer Festtag werden, nun ist es für Borussia Mönchengladbach eine Durchgangsstation auf dem Weg aus der sportlichen Krise.

Gladbachs Champions-League-Auftakt eine Frage der Ehre
Federico Gambarini Gladbachs Champions-League-Auftakt eine Frage der Ehre

«Jetzt haben wir Champions League und können uns gar nicht darauf freuen. Wir brauchen sie, um wieder Stabilität zu bekommen», meinte Sportdirektor Max Eberl vor dem Auftaktmatch beim FC Sevilla am Dienstag (20.45 Uhr). Für den sieglosen Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga ist es auch eine Frage der Ehre, eine bessere Leistung als zuletzt gegen den HSV zu zeigen. «Diese Niederlage hat mich im Stolz verletzt. Das lasse ich nicht auf mir sitzen», sagte Torwart Yann Sommer.

Nach der 0:3-Pleite gegen Hamburg fand eine Aussprache ohne Trainer und Sportdirektor statt. Die Mannschaft wollte einige Dinge intern regeln. «Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir wieder als Team auftreten und richtig Gas geben müssen», erklärte Stürmer André Hahn. Im Club wurde die Idee der Spieler-Aussprache begrüßt. «Das ist positiv», befand Eberl, der am Samstag auf dem Weg nach Mainz ins «Aktuelle Sportstudio» noch einen Autounfall hatte, aber unverletzt blieb.

Beim Abflug in die andalusische Metropole am Montag mit Sonderflug AB 1050 waren zahlreiche Akteure gar nicht erst mit an Bord. Der gesperrte Granit Xhaka fehlte ebenso wie Martin Stranzl, Patrick Herrmann, Alvaro Dominguez und Fabian Johnson.

Für Trainer Lucien Favre wird das Personal-Puzzle nicht einfach. Alternativen gibt es wenige. Die Frage ist auch, wer spielt wo? Borussias Coach wird wohl nicht umhin können, auf ganz junge Spieler zurückzugreifen. Mo Dahoud könnte auf der Doppel-Sechs ebenso zum Einsatz kommen wie etwa Marvin Schulz in der Innenverteidigung. Zumindest Xhaka steht im Bundesligaspiel beim 1. FC Köln am Samstag wieder zur Verfügung.

«Es wird einige Zeit dauern, bis wir die Stabilität und die richtige Mischung finden», bemerkte Favre, der schon zuletzt auf zentralen Positionen häufige Personalwechsel vornahm. «Die Bewegung war unsere Stärke in der vergangenen Saison. Sie fehlt defensiv und offensiv. Es funktioniert nicht», befand der Trainer.

Die Erinnerungen an die beiden Partien zu Beginn des Jahres in der Europa League gegen die Andalusier (0:1, 2:3) sind bei den Gladbachern noch sehr präsent. «Spielerisch waren wir in beiden Partien besser», meinte Favre. Im hektischen und von vielen Unterbrechungen geprägten Rückspiel im Borussia-Park sah Xhaka die Gelb-Rote Karte. Die Sperre sitzt der Schweizer nun kurioserweise gegen Sevilla ab.

Die Spanier sind mit zwei Punkten aus drei Ligaspielen zwar nicht so schlecht wie Gladbach gestartet, warten aber auch noch auf den ersten Sieg. Die Mannschaft von Trainer Unai Emery wurde zu Saisonbeginn stark verändert. In Fernando Llorente (Juventus Turin) und dem ehemaligen Dortmunder Ciro Immobile stehen zwei neue Stürmer in den Reihen des Tabellen-Fünften der abgelaufenen Saison in der Primera Divison.

Zu mehr als einem Treffer hat es in der Meisterschaft bislang aber auch noch nicht gereicht für den ersten Auftakt-Gegner der Borussia. «Wir wollen ein gutes Spiel machen und Selbstvertrauen tanken», sagte Gladbachs Abwehrspieler Roel Brouwers.

FC Sevilla: Sergio Rico - Coke, Andreolli, Kolodziejczak, Tremoulinas - Krohn-Dehli, Krychowiak - Reyes, Banega, Vitolo - Llorente

Borussia Mönchengladbach: Sommer - Korb, Brouwers, Jantschke, Wendt - Traore, Nordtveit, Stindl, Hazard - Raffael, Hahn

Schiedsrichter: Kralovec (Tschechien)