Glienicker Brücke: Agentenaustausch für Hollywood

Die Brücke liegt im Nebel. Die Auffahrt ist von Stacheldraht umgeben. Am Bogen der Eisen-Stahl-Konstruktion hängt das Staatswappen der DDR. 25 Jahre nach dem Mauerfall ist die Glienicker Brücke wieder Sperrgebiet.

Glienicker Brücke: Agentenaustausch für Hollywood
Guido Bergmann Glienicker Brücke: Agentenaustausch für Hollywood

Für seinen Agenten-Thriller «St. James Place» (Arbeitstitel) beschreibt Hollywood-Regisseur Steven Spielberg (67, «Schindlers Liste») am Originalschauplatz den Kalten Krieg zwischen den USA und Russland. Seit Freitag dreht Spielberg mit Oscar-Preisträger Tom Hanks (58) auf dem Unesco-Welterbe, das einst Ost und West trennte.

«Es fühlt sich bedrohlich an, an dem Setting zu sein, das wir museal aufbereiten», sagt Ina Grätz, Leiterin der Villa Schöningen am Fuß der Glienicker Brücke. Das Haus zeigt neben Kunstausstellungen die bewegte Geschichte der Grenzbrücke zwischen Berlin und Brandenburg, auf der während des Kalten Krieges mehrfach Agenten ausgetauscht wurden. «Wir, die hier arbeiten, kennen dieses Bild nicht mehr aus der Realität. Es nun so zu sehen, ist sehr spannend», meint Grätz.

Die Filmarbeiten stellen den normalen Rhythmus des Hauses auf den Kopf. Fotografen, Kamerateams und Schaulustige hoffen, einen Schnappschuss ergattern zu können. Fehlanzeige - das obere Stockwerk ist abgesperrt. «Ich kann es nicht verantworten, dass sich Besucher an die Fenster drängen und möglicherweise etwas zu Schaden kommt», erklärt Grätz.

Die Schaulustigen harren bei frostigen Temperaturen vor dem Eingangsbereich der Villa aus. Von dort aus sind kleine Einblicke möglich. Ansonsten ist die gesamte Glienicker Brücke weiträumig abgesperrt und wird von aufmerksamen Sicherheitsleuten bewacht. Autogrammjägern macht der Sprecher des Filmstudios Babelsberg, Eike Wolf, wenig Hoffnung. Das Studio ist Koproduzent des Films.

Die 27-Jährige Franziska versucht es dennoch. Seit dem Vormittag beobachtet sie den Drehort. Sie sieht, wie die Schneemaschine künstliche Flocken spuckt, wie Mitarbeiter einen tschechischen Tatra und einen russischen Tschaika auf die Brücke fahren, wie mit Einbruch der Dämmerung erste Komparsen in Militärkleidung an ihre Plätze gehen. «Ich hoffe auf ein Foto mit Tom Hanks», sagt die Potsdamerin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eines. Die CDU-Politikerin gehört zu den Gästen, die Studio Babelsberg einen Blick hinter die Kulisse werfen lässt. Am Freitagabend hat die Kanzlerin die Film-Crew auf der Brücke besucht - und sich mit Regisseur Spielberg und Hauptdarsteller Hanks fotografieren lassen.

Andere schauen nur vorbei, weil sie in der Nachbarschaft wohnen. Die Berlin-Touristen Andrea und Torsten sind mit S-Bahn und Fahrrad angereist, um sich das Spektakel anzusehen. «Das ist uns beim Besuch im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen empfohlen worden», schildert das Paar aus dem baden-württembergischen Rottweil.

In dem Stasi-Knast hat Spielberg mit seiner Mannschaft zuvor gedreht. Der 67-Jährige erzählt die Geschichte des US-Piloten Francis Gary Powers, der von den Sowjets abgeschossen, gefangen genommen und auf der Glienicker Brücke ausgetauscht wurde. Verhandlungsführer der USA war damals der Anwalt James B. Donovan, den Hanks spielt. Der Thriller soll am 16. Oktober 2015 in die US-Kinos kommen.

Bis Montag bleibt die Brücke über die Havel zwischen Potsdam und Berlin für Autos, Fahrräder und Fußgänger gesperrt. «Ich glaube, dass für die Einschränkungen ein gewisses Verständnis vorhanden ist», meint Stadtsprecher Stefan Schulz.

Seit Juni haben zwei Mitarbeiter sich ausschließlich um die nötigen Genehmigungen gekümmert, berichtet Koproduzent Henning Molfenter. Etwa 25 Behörden in Berlin und Brandenburg seien beteiligt gewesen. «So ein Schauplatz sieht im Original ganz anders aus, als wenn man mit digitalen Tricks arbeiten würde», betont er. Rund 400 Mitarbeiter sind laut Studiosprecher Wolf für die Produktion eingestellt. Es gibt etwa 800 Komparseneinsätze.