Golden Globes: Hollywoods Lieblingsparty

Die Golden Globes sind für viele Hollywood-Stars der Lieblingstermin des ganzen Jahres und der Grund dafür steckt in einer Zahl: 1900.

Golden Globes: Hollywoods Lieblingsparty
Paul Buck Golden Globes: Hollywoods Lieblingsparty

So viele Flaschen Champagner sind bestellt, um die 1300 Gäste der Filmpreisverleihung bei Laune zu halten. Während der dreistündigen Show wird also fröhlich getrunken - ein Grund, warum häufig die Dankesreden am Ende des Abends zum Witzigsten zählen, was die US-Filmwelt aufbieten kann.

Doch auch abgesehen vom Alkohol wird die 72. Globes-Verleihung am Sonntagabend (Ortszeit) in Beverly Hills anders als ihr großer Bruder, die Oscarshow Ende Februar, verlaufen. Da ist zunächst mal die Zweiteilung der wichtigsten Preise bei den Filmen, denn prämiert wird nicht nur ein einziger «Bester Film», sondern jeweils ein Sieger in den Kategorien «Drama» und «Komödie/Musical». Diese Dopplung gibt es auch bei den männlichen und weiblichen Hauptdarstellern und bei den Regisseuren. Außerdem gibt es auch Preise für TV-Produktionen - und seit dem Siegeszug von immer komplexeren Fernsehserien mit hochrangigen Promis ziehen auch diese Kategorien immer hochwertigere Kandidaten an.

Außerdem ist die Gruppe an Juroren viel kleiner als die Oscar-Akademie: Statt 6000 Menschen dort bestimmen gerade einmal rund 90 Mitglieder des Auslands-Filmjournalistenverbands in Hollywood über die Preisträger - darunter zehn Deutsche. Und schließlich ist auch der Rahmen deutlich entspannter. Statt in langen Reihen sitzen die Stars an runden Dinner-Tischen und können in den Pausen aufstehen, um Höflichkeiten auszutauschen und alte Bekannte zu treffen. 

Hinzu kommt, dass auch der Humor der Moderatorinnen Tina Fey und Amy Poehler deutlich bissiger ist als bei den familienorientierten Oscars. Im vergangenen Jahr sagte Fey etwa über das Weltraumdrama «Gravity»: «Eine Geschichte darüber, dass George Clooney lieber durchs All treiben und sterben möchte als auch nur eine Minute mehr mit einer Frau in seinem Alter zu verbringen.» Und Poehler erklärte 2013, dass sie zwar nicht die Diskussionen zum Afghanistan-Drama «Zero Dark Thirty» und Regisseurin Kathryn Bigelow verfolgt habe, «aber wenn es um Folter geht, vertraue ich der Frau, die drei Jahre lang mit James Cameron verheiratet war».

Lange Jahre hatten die Golden Globes wegen dieser Dinge den Ruf, dass dort Party und Promis wichtiger seien als die Qualität der prämierten Filme. Im Jahr 2011 gab es sogar eine Klage eines Publizisten, der dem Journalistenverband vorwarf, dass die Nominierungen käuflich seien. Der Streit wurde außergerichtlich beigelegt. Den Zuschauern gefällt die Show ohnehin: Mit rund 21 Millionen US-Zuschauern war die Verleihung nach den Oscars und den Grammys die dritterfolgreichste des Jahres, schreibt die Branchenwebseite «Deadline».

Auch wenn die Globes als wichtige Vorboten für die Oscars gelten, treten die Filme da beinahe in den Hintergrund, was in diesem Jahr auch am ungewöhnlich offenen Feld liegen könnte. Bei vielen der kleineren Verleihungen gingen bisher die Künstler-Satire «Birdman» oder das Jugenddrama «Boyhood», ein über zwölf Jahre hinweg gedrehtes Mammutprojekt von Richard Linklater, als Sieger von der Bühne. Beide sind auch bei den Globes mehrfach nominiert, «Birdman» sieben Mal, «Boyhood» in fünf Kategorien.

Bei den Schauspielern gelten Michael Keaton aus «Birdman» und Eddie Redmayne als Stephan Hawking in «Die Entdeckung der Unendlichkeit» als Favoriten. Auch Christoph Waltz hat mit «Big Eyes» wieder eine Chance auf seinen dritten Globe. Bei den Frauen könnten unter anderem Jennifer Aniston und Julianne Moore jubeln. Doch egal, für wen es bei der in Deutschland auf dem Pay-TV-Sender TNT Serie ausgestrahlten Show heißt: «And the Golden Globe goes to...» - genug Alkohol wird bereit stehen.