Gospel-Star Marrow auf Jubiläumstournee

Einst von der Jazz-Legende Duke Ellington entdeckt, steht die Sängerin Queen Esther Marrow inzwischen seit 50 Jahren auf der Bühne. Zum Jubiläum zieht es die «Grand Dame des Gospels» und ihre Harlem Singers nun wieder in ihr Lieblingsland - Deutschland.

Gospel-Star Marrow auf Jubiläumstournee
Horst Ossinger Gospel-Star Marrow auf Jubiläumstournee

Bob Dylan, B.B. King, Ella Fitzgerald und Ray Charles - mit ihnen allen stand Queen Esther Marrow schon auf der Bühne. Die 72-Jährige mit der kraftvollen Stimme, die einst vom US-Jazzmusiker Duke Ellington entdeckt wurde, gilt als «Grande Dame des Gospels». Zu ihrem 50. Bühnenjubiläum kommt Marrow ab Dienstag (17. Dezember) mit ihren Harlem Gospel Singers auf große Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Während einer Proben-Pause in einem kleinen Studio in Manhattan in New York erzählte sie im Interview von ihrer Liebe zu Deutschland, ihrer Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo - und sie verriet, für welche Popsängerin sie schwärmt.

Marrow: Das ist einfach so passiert - wir haben uns verliebt. Schon bei meiner allerersten Tour, haben mich die Menschen so toll empfangen, sie haben sich in mich verliebt und ich mich in sie - es ist wie eine Ehe. Wenn ich auftrete, steht das Publikum sofort auf, es ist wie ein Rock-Konzert.

Marrow: Ich habe eine CD in seinem Studio aufgenommen und er hat ein paar Songs für mich geschrieben. Wir haben uns auch gleich verliebt. Er ist wirklich ein toller Typ, ich arbeite sehr gerne in seinem Studio und liebe die Songs, die er für mich geschrieben hat.

Marrow: Der Name der Tour ist «Power of Love» und wir feiern meine 50 Jahre im Showbusiness. Ich weiß nicht, wo sie hingegangen sind, aber es waren gute Jahre. Es gab Höhen und Tiefen, aber ich bin hier, stark und voller Leben.

Marrow: Ich erinnere mich sehr gut daran, denn ich war sehr, sehr nervös. Ich war 22, kam aus Virginia und war gerade mal zwei oder drei Jahre in New York. Eine Freundin meines Managers arrangierte ein Vorsingen bei Duke Ellington. Wir sind zu ihm nach Hause gegangen und ich habe einen traditionellen Gospelsong gesungen. Er war kein Mann der vielen Worte und so sah er mich danach nur an und sagte: «Das ist gut.» Eine Woche später rief er meinen Manager an und sagte, dass er mit mir zusammenarbeiten wollte, und als ich das hörte, konnte ich mich einfach nur noch flach auf den Wohnzimmerboden legen. Das war so aufregend.

Marrow: Ich versuche immer noch, die Texte zu fühlen und auch die Zuhörer sie fühlen zu lassen. Das ist gleich geblieben, aber die Musik hat sich sehr verändert. Ich mache immer meine Ohren auf und sauge alle Töne und alle Musik in mich rein, um mich davon inspirieren zu lassen. Ich höre alles, auch zum Beispiel Pop. Ich mag gerne diese - wie heißt sie nochmal? Katy Perry!

Marrow: Es gibt immer Menschen, die andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe hassen. Ich kann das einfach nicht verstehen, wir sind doch alle gleich. Das regt mich wirklich auf, aber ich habe von Martin Luther King gelernt, dass man das nur bekämpfen kann, indem man nicht sauer wird, sondern bescheiden bleibt. Früher hat mich das alles sehr verbittert gemacht, weil ich nicht so behandelt werden wollte, aber wenn ich es jetzt erlebe, ist mir klar, dass die Anderen die Dummen sind.

Marrow: In meiner Heimatstadt in Virginia arbeite ich am Kulturzentrum mit einer Gruppe junger Frauen zusammen, sie nennen sich «Ella's Pearls» und machen Musik. Auch wenn ich auf Tour bin, kann ich mit ihnen via Skype an ihrer Musik arbeiten. Wir haben gerade erst angefangen, aber es läuft super.

Queen Esther Marrow (72) ist eine US-amerikanische Gospel-Sängerin, die in den 1960er Jahren vom Jazz-Musiker Duke Ellington entdeckt wurde. Seitdem ist sie mit zahlreichen bekannten Musikern aufgetreten, hat mehrere Platten veröffentlicht und Konzerte auf der ganzen Welt gegeben. Seit rund 20 Jahren tritt sie mit den Harlem Gospel Singers auf.