Gouverneur: Bundeswehr-Abzug aus Kundus war verfrüht

Nach der Taliban-Offensive in Kundus hat der amtierende Gouverneur der Provinz den Abzug der Bundeswehr aus der Region vor zwei Jahren als verfrüht kritisiert.

Gouverneur: Bundeswehr-Abzug aus Kundus war verfrüht
Maurizio Gambarini Gouverneur: Bundeswehr-Abzug aus Kundus war verfrüht

«Wir haben den Deutschen mehrfach gesagt, dass wir sehr besorgt über ihren Abzug sind», sagte Gouverneur Hamdullah Daneschi der Deutschen Presse-Agentur per Telefon. «Wir wussten, dass wir die Lage nicht alleine würden kontrollieren können. Aber sie haben uns alleine gelassen. Die Entscheidung, aus Kundus abzuziehen, war verfrüht.» Die Taliban hatten Kundus-Stadt am Montag eingenommen. Am Donnerstag hatten Regierungstruppen die Taliban wieder vertrieben.

Mit Blick auf die Deutschen sagte Daneschi: «Wir machen sie nicht für den Fall von Kundus verantwortlich, aber wir sind enttäuscht darüber, dass sie uns alleine gelassen haben. Wir brauchten sie hier, aber sie sind gegangen.» Der Gouverneur fügte hinzu: «Wir würden uns sehr wünschen, dass die Deutschen zurückkommen.» Die Bundeswehr war vor zwei Jahren aus Kundus abgezogen. Kundus war die erste Provinzhauptstadt, die seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 von den Aufständischen erobert wurde.

Daneschi erhob Vorwürfe gegen die Zentralregierung von Präsident Aschraf Ghani in Kabul. «Warum hat die Regierung nicht aufgepasst, als wir unsere Sorgen ausgedrückt haben?» Daneschi hatte bereits im April davor gewarnt, die gesamte Provinz Kundus könne von den Taliban erobert werden. Ghani hatte den bisherigen Gouverneur von Kundus, Mohammad Omar Safi, während der Gefechte um die Stadt seines Amtes enthoben. Zugleich hatte er Daneschi per Dekret zum amtierenden Gouverneur ernannt. Daneschi war davor zwölf Jahre lang stellvertretender Gouverneur der Provinz Kundus gewesen.