«Grande Seb»: Vettel feiert mit Ferrari Premieren-Sieg

Er zeigte endlich wieder den Vettel-Finger und schmückte seine rote «Eva» mit einer Ferrari-Fahne. Nach seinem historischen Triumph mit dem italienischen Rennstall vergoss ein überwältigter Sebastian Vettel auf dem Podium dann einfach nur noch Freudentränen.

«Grande Seb»: Vettel feiert mit Ferrari Premieren-Sieg
Fazry Ismail «Grande Seb»: Vettel feiert mit Ferrari Premieren-Sieg

«Das ist ein ganz besonderer Tag, ich bin unglaublich stolz. Da werden Kindheitsträume wahr», rang der sichtlich gerührte Vettel nach seiner Gala-Fahrt um Fassung. «Das wird mir bis zum Lebensende im Gedächtnis bleiben.» Der Heppenheimer krönte seine grandiose Formel-1-Vorstellung beim Großen Preis von Malaysia und raste vor den Silberpfeilen zu seinem ersten Scuderia-Sieg.

Im packenden Reifenpoker von Sepang feierte Vettel seinen 40. Karriere-Erfolg und zeigte in einem atemberaubenden Duell den Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg diesmal die Grenzen auf. Die Silberpfeile sind extrem gewarnt. «Wir werden zurückschlagen. Das werden uns nicht gefallen lassen», kündigte Rosberg an. «Ferrari hat den Sieg verdient», erklärte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. «Für uns war das ein Weckruf.»

Vettel holte seinen ersten Sieg seit dem 24. November 2013 in Brasilien und bescherte der Scuderia den ersehnten ersten Triumph mit einem deutschen Fahrer seit Michael Schumacher im Oktober 2006 in China. «Grande Seb», adelte die Scuderia über Boxenfunk ihren Neuling vor der Siegerehrung. «Ferrari ist zurück, fantastico.»

«Ich bin für alle überglücklich, die zu diesem Erfolg beigetragen haben», sagte Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene voller Stolz. «Sebastian war unglaublich, fantastisch.» Während Schumacher bis zu seinem siebten Grand Prix am 2. Juni 1996 in Barcelona auf seinen ersten Sieg in Rot warten musste, schaffte es Vettel schon im zweiten Anlauf. «Es hat einfach alles geklappt», sagte der 27-Jährige.

Hamilton verpasste als Zweiter zwar seinen 35. Grand-Prix-Sieg, bleibt aber auch dank seines Auftakterfolgs in Australien Führender in der Gesamtwertung. «Sie waren zu schnell für uns», konstatierte der Brite. Vettel ist nach dem ersten Ferrari-Triumph seit Mai 2013 in Spanien nun WM-Zweiter vor Rosberg. Letztmals stand im August 2014 beim Sieg von Daniel Ricciardo in Spa kein Mercedes-Pilot auf dem Treppchen ganz oben. Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen krönte seine Aufholjagd nach einem frühen Reifenschlitzer mit Position vier.

Hamilton erwischte nach seiner 40. Pole Position einen Start nach Maß und spulte als Führender die ersten Kilometer ab. Dahinter kamen sich Vettel und Rosberg mit ihren Autos gefährlich nahe. Eine frühe Safety-Car-Phase in Runde vier nutzten unter anderen die Silberpfeile zum ersten Boxenstopp. Vettel hingegen verzichtete und setzte sich an die Spitze. Während der Heppenheimer mit freier Fahrt seine ersten Führungsrunden im Ferrari drehte, steckten Hamilton und Rosberg erstmal im Verfolgerfeld fest und verloren wichtige Zeit.

In Runde zehn übernahm der Brite in seinem 150. Grand Prix mit einem Rückstand von rund zehn Sekunden die Rolle als erster Vettel-Verfolger. Acht Umläufe später kam auch der Hesse erstmals an die Box zum Reifenwechsel und verlor die Spitzenposition. Nun war die erwartete Hierarchie wieder hergestellt: Hamilton fuhr in einer eigenen Liga zunächst vor Rosberg und Vettel.

In dem Führungskrimi setzte sich nach Hamiltons zweitem Stopp in Runde 25 wieder Vettel an die Front. Doch der Brite holte Sekunde und Sekunde auf. Vettel kam nach seinem zweiten Stopp knapp vor Rosberg auf die Strecke zurück und ging nach Hamiltons drittem Aufenthalt in der Garage wieder in Front. Ein packender Kampf um den Sieg! Am Kommandostand von Mercedes machte sich Unruhe breit. «Rede nicht mit mir in der Kurve», keifte Hamilton seinen Renningenieur an.

Zehn Runden vor Schluss hielt Vettel dem immensen Druck seiner Verfolger immer noch stand und bewahrte die Spitzenposition vor Hamilton und Rosberg. Der Brite und sein Wiesbadener Stallgefährte machten nicht mehr entscheidend Boden gut. Jubelnd überfuhr Vettel die Ziellinie. «Me hawwe se ferdisch gemachd», stellte der Hesse danach in bester Mundart fest und kündigte für den Abend nach dem 222. Sieg von Ferrari in der Formel 1 noch eine ordentliche Feier an.