Graphic Novels werden immer politischer

Comics leisten aus Sicht von Wissenschaftlern wertvolle Beiträge zu aktuellen politischen Themen.

Graphic Novels werden immer politischer
Frank Rumpenhorst Graphic Novels werden immer politischer

«Wir haben Graphic Novels zu allen großen Konflikten der Gegenwart wie Nahostkonflikt oder Islamismus», sagt Bernd Dolle-Weinkauff vom Institut für Jugendbuchforschung an der Frankfurter Goethe-Universität zu den Comics in Buchform.

Er organisiert an diesem Wochenende (4. bis 6. September) eine internationale Tagung zum Thema «Geschichte im Comic - Geschichte des Comic». 50 Experten referieren.

Es gebe seit Jahren einen «Trend zur Literarisierung» von Comics, sagte Dolle-Weinkauff der Deutschen Presse-Agentur. «Damit verbunden war eine Hinwendung zu ernsten Themen.» Neben Beiträgen zu aktuellen Diskursen, etwa Feminismus in arabischen Ländern, gingen Zeichner inzwischen immer öfter auf Zeitgeschichte ein. Ein Wendepunkt sei Ende der 1980er Jahre Art Spiegelmans «Maus» gewesen, die Geschichte eines Holocaust-Überlebenden. Vorteil der Graphic Novels: «Die Kombination von Bild und Text ermöglicht eine größere Sinnlichkeit.»

Neben Geschichte als Thema von Comics beschäftigt sich die Tagung auch mit der Geschichte der Comics. Ihre Wurzeln könne man zurückverfolgen bis zur Höhenmalerei, sagte Dolle-Weinkauff. Die Geschichte der Comic-Forschung hingegen sei jung: Die Wissenschaft habe sie lange Zeit als Trivialliteratur angesehen. Inzwischen beschäftigten sich viele Literaturwissenschaftler und Kunsthistoriker mit diesem Gebiet.

«Unterentwickelt» sei die Wirkungsforschung, findet der Experte, hier seien Soziologen gefragt. Wünschenswert fände es Dolle-Weinkauff auch, wenn mehr Forscher versuchen würden, von der Sammelleidenschaft der Leser zu profitieren. Der 63-Jährige ist Fan und Forscher zugleich. In seinem Archiv, das zum Institut für Jugendbuchforschung gehört, lagern mehr als 60 000 Comics - wöchentlich kommen neue dazu.