Grausige Gewissheit: Elias und Mohamed Opfer von Sexualtäter

Der fürchterliche Verdacht bestätigt sich schnell. Schon am Donnerstag nach der Festnahme eines Verdächtigen fragten sich Polizei und viele Bürger: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden des kleinen Mohamed in Berlin und des sechsjährigen Elias in Potsdam?

Grausige Gewissheit: Elias und Mohamed Opfer von Sexualtäter
Gregor Fischer Grausige Gewissheit: Elias und Mohamed Opfer von Sexualtäter

Die Gewissheit folgt am Freitag. Auch Elias ist tot. Umgebracht vom selben Täter aus Brandenburg. Der 32-Jährige hat beide Verbrechen bei der Vernehmung in der Nacht auf Freitag gestanden, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilen.

Weitere Details lösten am Freitag Erschütterung und Trauer aus. Offiziell bestätigten es am Vormittag weder Polizei noch Staatsanwaltschaft, aber von verschiedenen Seiten war zu hören, dass die beiden kleinen Jungen aus pädosexuellen Motiven umgebracht wurden. Sie fielen demnach einem Sexualmord zum Opfer.

Der vierjährige Mohamed wurde schon am 2. Oktober getötet, einen Tag nach seiner Entführung vor einer großen Berliner Anlaufstelle für Flüchtlinge. Wann Elias, der am 8. Juli in Potsdam verschwunden war, starb, war zunächst noch unbekannt. Wochenlang hatten Polizisten, Feuerwehrleute, Nachbarn und weitere freiwillige Helfer Höfe, Straßen, Grünanlagen, Gräben und mit Wasser gefüllte Kanäle in der Umgebung der Wohnsiedlung Potsdam-Schlaatz durchkämmt. Elias wurde nicht gefunden.

Nun begann die Polizei am Freitag mit der Suche nach seiner Leiche in einer Kleingartensiedlung in Luckenwalde, rund 20 Kilometer entfernt vom Wohnort des mutmaßlichen Mörders im brandenburgischen Dorf Niedergörsdorf. In Luckenwalde soll der Täter Elias laut Medienberichten vergraben haben. Die Polizei sperrte das Gelände großräumig ab und begann am Mittag zu graben.

Einen Zusammenhang mit einem dritten Fall sahen die verschiedenen Kriminalpolizeibehörden zunächst nicht: Am 2. Mai verschwand die fünfjährige Inga in einem Wald bei Stendal in Sachsen-Anhalt. Bisher gebe es keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit den beiden anderen Entführungen, sagte ein Polizeisprecher.

In Niedergörsdorf zeigten sich Bewohner erschüttert. Der Mitarbeiter eines Pflegeheims meinte, die Menschen im Ort hörten den ganzen Tag Radio und seien völlig geschockt. «Sonst ist das alles immer so weit weg, und jetzt trifft es uns hier in unserem kleinen Dorf.» Ein 32-jähriger Vater, der zusammen mit seinem 3-jährigen Sohn unterwegs war, sagte: «Ich habe jetzt auch Angst um mein Kind.»

In Berlin begann unterdessen eine Diskussion darüber, ob die monatelangen chaotischen Zustände vor der Anlaufstelle für Flüchtlinge im Stadtteil Moabit ihren Teil zum Tod von Mohamed beitrugen.

Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) sah die Landesregierung in der Verantwortung. «Der Berliner Senat trägt mit seiner unendlich verlangsamten Reaktion auf die seit Monaten bemängelten chaotischen Verhältnisse vor dem Lageso eine Mitschuld daran, dass dieses grausame Verbrechen begangen werden konnte», teilte Ayşe Demir, Vorstandssprecherin des TBB, mit.

Zuvor hatte die Grünen-Landesvorsitzende Bettina Jarasch dem «Tagesspiegel» gesagt, die chaotischen Zustände am Lageso hätten dem Täter eine Entführung leicht gemacht. «Der Senat trägt insgesamt die Verantwortung dafür, dass sich so etwas nicht wiederholen kann.»

Mohamed wurde am 1. Oktober vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) entführt. Seine aus Bosnien stammende Mutter wollte bei der Behörde Geld abholen und hatte dafür einen Termin. In dem Gewühl von Hunderten wartenden Menschen vor dem Gebäude ging Mohamed verloren - der 32-Jährige nahm ihn einfach mit.