Griechenland-Debatte schickt Börsen auf Talfahrt

Kehrt die Euro-Schuldenkrise zurück? Die Debatte um einen Euro-Austritt Griechenlands verunsichert die Anleger. An den Börsen geht es abwärts. Die Hoffnungen ruhen auf einer neuen Geldflut der Europäischen Zentralbank.

Die Sorge vor einem Wiederaufflammen der Euro-Schuldenkrise ist zurück an den Börsen: Die Debatte um einen Austritt Athens aus dem Euro-Raum - «Grexit» - hat den deutschen Aktienmarkt auf Talfahrt geschickt. Der deutsche Leitindex Dax verlor bis Handelsschluss 2,99 Prozent und schloss bei 9473,16 Punkten. Das war der größte Tagesverlust seit Anfang März 2014. Auch europaweit überwogen die Minuszeichen, vor allem den griechischen Leitindex ASE traf es hart. Der Euro geriet weiter unter Druck.

Am Wochenende hatte die Nachricht für Wirbel gesorgt, Berlin halte bei einem Sieg des Linksbündnisses von Alexis Tsipras bei der Parlamentswahl am 25. Januar einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone für verkraftbar.

In den Umfragen führt die Linkspartei Syriza, die Griechenlands Sparpolitik beenden und einen Schuldenerlass verlangen will. Dies käme einer Aufkündigung der Vereinbarungen mit den Geberländern gleich. Allerdings sehen die EU-Verträge Regelungen für ein Ausscheiden aus dem gemeinsamen Währungsraum nicht vor. Eine Sprecherin der EU-Kommission betonte am Montag, der EU-Vertrag lege fest, «dass die Mitgliedschaft im Euro unwiderrufbar ist».

Die Meinung über die Folgen eines möglichen Griechenland-Austritts gehen weit auseinander. Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther sagte der Online-Ausgabe des «Handelsblatts»: «Die Euro-Zone könnte heute einen Austritt Griechenlands verkraften.» Die Lage sei anders als vor zwei Jahren. «Damals war die Euro-Zone insgesamt sehr geschwächt und keines der Krisenländer hatte den Turnaround geschafft.»

Clemens Fuest, Chef des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung, warnte hingegen in der «Rheinischen Post»: «Ein Austritt wäre mit erheblichen Risiken behaftet, vor allem für Griechenland selbst, aber auch den Rest der Euro-Zone.» Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer schätzte die Wahrscheinlichkeit eines Euro-Austritts Athens allerdings auf höchstens ein Viertel.

Der Euro sackte wegen der der unsicheren Lage in Griechenland und der Aussicht auf ein weiteres Öffnen der Geldschleusen durch die Europäische Zentralbank (EZB) zeitweise auf 1,1864 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit rund neun Jahren.

Beobachter rechnen damit, dass die EZB im Kampf gegen die zu niedrige Inflation schon bald mit dem umstrittenen Kauf von Staatsanleihen beginnen wird. EZB-Präsident Mario Draghi will so die Kreditvergabe und damit die Wirtschaft vor allem in Südeuropa ankurbeln.

Während die Eurozone damit auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik zusteuert, bewegt sich die US-Notenbank auf eine Straffung ihrer Geldpolitik zu. Die Aussicht auf eine erste Zinserhöhung in den USA nach der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise beflügelt den Dollar und setzt den Euro im Gegenzug immer stärker unter Druck. Für Anleger ist es angesichts der erwarteten Zinserhöhung interessanter, in Dollar zu investieren.