Grüne Führungskandidatinnen für Kurs der Mitte

Vor den Beratungen der Grünen über ihre inhaltliche und personelle Neuaufstellung haben die beiden Kandidatinnen für den Fraktionsvorsitz für eine Rückbesinnung auf die bürgerliche Mitte geworben.

Grüne Führungskandidatinnen für Kurs der Mitte
Soeren Stache Grüne Führungskandidatinnen für Kurs der Mitte

Zugleich warnten Katrin Göring-Eckardt und Kerstin Andreae vor Bevormundungen der Bürger. Heute vormittag wollen Bundesvorstand, Landesvorsitzende und der Parteirat der Grünen gemeinsam über die weitere Ausrichtung der Partei beraten. Sie war bei der Bundestagswahl von 10,7 auf 8,4 Prozent abgesackt.

Göring-Eckardt - die mit Blick auf bürgerliche Wähler Spitzenkandidatin geworden war, aber vor allem Sozialthemen vertreten hatte - sagte den «Ruhr Nachrichten»: «Wir wollen wieder stärker die gesellschaftliche Mitte und Milieus ansprechen und verloren gegangene Sympathien zurückgewinnen.» Und: «Wir dürfen nicht mehr den Eindruck erwecken, Menschen belehren zu wollen.»

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Andreae - die immer einen wirtschaftsnahen Kurs vertreten hatte - schlug in den «Stuttgarter Nachrichten» (Freitag) vor, «neue Brücken zu den Unternehmen» zu schlagen. Im Wahlkampf hätten die Grünen mit der Ankündigungen von Steuer- und Abgabenerhöhungen den Bogen überspannt.

Beide Frauen werden dem Realo-Flügel zugerechnet. Nur eine kann Fraktionsvorsitzende werden, da der zweite der beiden Vorsitzendenposten bereits dem linken Flügel vorbehalten ist. Dabei gilt der Verkehrsexperte Anton Hofreiter als gesetzt. Die Wahl steht am 8. Oktober an, bis dahin sind weitere Kandidaturen möglich.

Als Konsequenz aus dem schwachen Wahlergebnis hatten die Spitzenleute Jürgen Trittin, Claudia Roth und Renate Künast ihren Rückzug aus der ersten Reihe angekündigt. Die frühere Umweltministerin im Saarland, Simone Peter, ist zu einer Kandidatur als Parteichefin bereit.

Bei den Grünen wird derzeit auch diskutiert, ob der nächste Parteitag im Oktober oder November stattfinden soll. Dort werden dann Parteivorstand und Parteirat gewählt.

In einer Emnid-Umfrage für den Sender N24 plädierten 69 Prozent der Befragten für eine Öffnung der Grünen zur bürgerlichen Mitte. Nur 16 Prozent empfehlen der Partei, den Linkskurs fortzusetzen. Auch bei den Grünen-Wählern wünscht sich die Mehrheit einen Ruck zur Mitte - wenn auch nicht ganz so deutlich: 58 Prozent favorisieren eine Neuausrichtung zur Mitte, 41 Prozent wollen beim Linkskurs bleiben.

Trotz vieler Skeptiker einer Koalition mit der Union meldeten sich auch wieder einige Grüne zu Wort, die dem aufgeschlossener gegenüber stehen. So sagte Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn der «Süddeutschen Zeitung» (Freitag): «Es gibt offenbar den Wunsch der Bevölkerung, Ökologie und Wirtschaft zusammenzuführen. Es ist unsere Pflicht zu schauen, ob ein schwarz-grünes Bündnis das könnte.» Aus Kuhns Sicht wäre diese Variante aus ökologischer Sicht besser für Deutschland als Schwarz-Rot.

Auch die Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer sprach sich in der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Freitag) für «ernsthafte Sondierungsgespräche» mit der Union aus.