Grünen-Kampfabstimmung zwischen Göring-Eckardt und Andreae

Die Grünen-Bundestagsabgeordneten werden an diesem Dienstag in einer Kampfabstimmung über ihre neue Fraktionsspitze entscheiden.

Grünen-Kampfabstimmung zwischen Göring-Eckardt und Andreae
dpa Grünen-Kampfabstimmung zwischen Göring-Eckardt und Andreae

Sowohl die Spitzenkandidatin des Wahlkampfs, Katrin Göring-Eckardt, als auch die Wirtschaftsexpertin Kerstin Andreae hielten bei einem Treffen der Realos in der Fraktion am Montagabend ihre Kandidaturen aufrecht. Das berichteten mehrere Teilnehmer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Auf eine zuvor erwogene Probeabstimmung verzichteten die rund 30 Teilnehmer des Treffens. Als Kandidat der Parteilinken für die Doppelspitze ist der Verkehrspolitiker Anton Hofreiter gesetzt.

Damit setzten sich namhafte Vertreter der Realos nicht durch, die auf eine klare Absprache innerhalb des Flügels vor der Abstimmung in der Fraktion drängten. Sie fürchten eine Schwächung der Realos gegenüber den Parteilinken.

Bei dem Treffen am Abend gab es aber laut Teilnehmern Konsens über die inhaltiche Neuausrichtung der Grünen nach der Niederlage bei der Bundestagswahl. So müsse der ökologische Umbau der Gesellschaft wieder als grünes Kernanliegen betont werden, dabei wollten die Grünen auch Bündnisse mit der Wirtschaft anstreben. Dazu hätten sich sowohl Göring-Eckardt als auch Andreae bekannt.

Während Andreae als wirtschaftsfreundlich gilt, hat sich Göring-Eckardt auch mit sozialen Forderungen im Wahlkampf positioniert. Andreae gilt als Gesicht für einen Neuanfang, Göring-Eckardt steht eher für Kontinuität, zumal sie zu Zeiten der rot-grünen Bundesregierung bereits Fraktionschefin war.

Göring-Eckardt hatte bei den Realos mit der Ankündigung ihrer Kandidatur in der Woche nach der Bundestagswahl manche vor den Kopf gestoßen, denn auch Andreaes Ambitionen waren zu dem Zeitpunkt bereits bekannt. Andreae zog dann nach - eine interne Absprache, die als Zeichen der Geschlossenheit des Parteiflügels gewertet werden könnte, wurde erschwert. Während Göring-Eckardt weiter ankündigte, sich auf jeden Fall der gesamten Fraktion zur Wahl stellen zu wollen, wollte Andreae ein Votum ihres Flügels akzeptieren.

Auf der Sitzung wurde nun nach Angaben von Teilnehmern auch betont, dass man sich nach der konstituierenden Sitzung der Fraktion am Dienstag um einen Schulterschluss bemühen wolle, egal wie die Wahl der Spitze ausgeht.

Die neue Fraktionsspitze soll Teil der Sondierungsgruppe für die Gespräche mit der Union über eine mögliche Koalition an diesem Donnerstag sein. Parteichefin Claudia Roth kündigte am Nachmittag an, ernste Gespräche führen zu wollen. Eine Showveranstaltung solle es nicht werden.