Großalarm in Sydney: Geiselnahme mit muslimischer Flagge

Ein Geiselnehmer hat in Australien ein Café überfallen und damit einen Großalarm in Sydney ausgelöst. Der bewaffnete Mann hat weiterhin eine unbekannte Zahl von Geiseln in seiner Gewalt.

Polizeipsychologen verhandelten mit dem Mann, berichtete die Polizei. Nach ihren Angaben war keine der Geiseln verletzt. Der Mann, dessen Identität und Motive zunächst nicht bekannt waren, zwang Geiseln, eine Fahne mit dem muslimischen Glaubensbekenntnis in arabischer Schrift an die Scheibe des Cafés zu halten.

Es gebe inzwischen Erkenntnisse, was der Mann womöglich wolle, sagte die stellvertretende Polizeichefin Catherine Burn. Einzelzeiten nannte sie aber zunächst nicht. Die Polizei appellierte an die Medien, über mögliche Forderungen nicht zu berichten. Auch zur Identität des Mannes machte sie keine Angaben. «Wir wollen dies friedlich lösen, das mag eine Weile dauern», sagte sie.

Fernsehsender filmten den Geiselnehmer am Morgen durch ein Fenster des Cafés. Auf den Videobildern war ein Mann mittleren Alters mit grauem Bart und einem Kopftuch zu sehen, auf dem arabische Schriftzeichen standen. Der Mann trug einen schwarzen Rucksack.

Fünf Menschen entkamen im Laufe des Tages aus dem Café. Die Polizei wollte nicht sagen, ob der Geiselnehmer sie frei ließ oder ob sie flüchteten. Sie rannten teils mit erhobenen Händen und offenbar unter Schock aus dem Eingang des Gebäudes. Erkenntnisse, die die Polizei aus den Gesprächen mit den Entkommenen gewann, machte sie zunächst nicht publik.

Australiens Regierungschef Tony Abbott sagte am Morgen, es gebe Anzeichen für einen politischen Hintergrund. Polizeichef Andrew Scipione betonte aber, er könne einen Terrorhintergrund zunächst nicht bestätigen.

Der Mann war am Morgen um kurz vor zehn Uhr Ortszeit in das Lindt Chocolat Café gestürmt. Er zwang zwei Frauen, eine schwarze Fahne mit weißer arabischer Schrift an das Fenster des Cafés zu pressen. Darauf stand das muslimische Glaubensbekenntnis, das Allah als einzigen Gott benennt und Mohammed als seinen Propheten. Eine solche Flagge werde auch von Dschihadisten in Syrien und im Irak verwendet, sagte der Terrorexperte Greg Barton im Fernsehen. Wie viele Menschen im Café waren, war zunächst unklar. Nach Angaben von Burns waren es weniger als 30.

Der Großmufti Australiens verurteilte die Geiselnahme in einer Stellungnahme als kriminellen Akt. «Solche Aktionen werden im Islam verurteilt», teilte Ibrahim Abu Mohamed mit. Der Vorsitzende der libanesischen Muslime, Samier Dandan, sagte im Rundfunk: «Wenn die muslimische Gemeinde irgendetwas tun kann - wir sind bereit.»

Das Gebiet am Martin Place im Geschäftsviertel von Sydney wurde weiträumig abgesperrt. Mehrere Gebäude wurden geräumt. Einige Bürogebäude in unmittelbarer Nähe des Lindt Chocolat Cafés wurden aber abgesperrt und die Angestellten gebeten, dort auszuharren.

Der Martin Place ist ein historischer Platz in der Fußgängerzone. In der Umgebung arbeiten Tausende Menschen. In unmittelbarer Nähe liegen mehrere Bankzentralen, das Büro des Ministerpräsidenten von New South Wales und das US-Konsulat.

Als Vorsichtsmaßnahme wurde auch das Opernhaus geräumt. Nach Angaben der Polizei gab es aber keine weiteren Zwischenfälle in der Stadt. In Australien beginnt gerade der Sommer. Es ist Hochsaison in Sydney. In der Stadt dürften Zehntausende Touristen sein.

Australien ist seit September unter erhöhtem Terroralarm. Es gilt Alarmstufe drei der vierstufigen Skala, was bedeutet: «Terroranschlag wahrscheinlich». Bei einer Großrazzia hatte die Polizei im September nach eigenen Angaben einen Anschlag auf australischem Boden vereitelt, bei dem ein Passant auf offener Straße entführt und enthauptet werden sollte.