Große Velázquez-Schau in Wien

Der Narr macht etwas, was am spanischen Hof fast nur ihm erlaubt ist: Er lacht. Narren und ihre Freiheiten hat Diego Velázquez (1599-1660) mehrfach auf spektakulär neue Weise gemalt.

Porträts solcher «lustigen Personen» zieren die große Velázquez-Schau im Kunsthistorischen Museum (KHM) in Wien. Es ist im deutschen Sprachraum die erste umfassende Präsentation des Hofmalers, der zum Vorbild der Impressionisten wurde.

«Es ist ein fulminanter Abschluss der spanischen Ausstellungstrilogie», sagte KHM-Generaldirektorin Sabine Haag. Das Museum hatte 2001 bereits El Greco und 2005 Francisco de Goya präsentiert. Die Ausstellung dauert bis zum 15. Februar 2015.

Die Schau vereint dank hochkarätiger Leihgaben unter anderem aus Madrid und London 46 Gemälde. Neben den berühmten Porträts der spanischen Königskinder aus dem Bestand des Museums sind die «Venus mit dem Spiegel» aus der Londoner National Gallery, der «Prinz Baltasar Carlos zu Pferd» sowie «Apollo in der Schmiede des Vulkan» aus dem Prado zu sehen.

In seiner Heimat Sevilla, damals Spaniens größte Stadt, hat Velázquez auch Alltags-Szenen gemalt. «Der Wasserverkäufer von Sevilla» (1622) ist ein Meisterwerk des Realismus. Dabei umwehen den sozial eher verachteten Wasserverkäufer Würde und Ernst. 1623 wurde Velázquez Maler am Hof von Philipp IV. Sein handwerkliches Markenzeichen: «Er hat den offenen, sinnlichen Pinselstrich perfektioniert», sagt die Direktorin der Gemäldegalerie, Sylvia Ferino.

Fast 40 Jahre lange schuf Velázquez unter anderem Porträts der kleinen Thronfolger. Diese Bilder der Infanten und Infantinnen dienten in einer Zeit intensiver Heiratspolitik der beiden Habsburger-Linien in Madrid und Wien als «Foto-Album» möglicher Partner und Partnerinnen. So kam das KHM zu seinem nach dem Prado größten Bestand an Velázquez-Bildern. Ohne diesen Grundstock von rund einem Dutzend Gemälden hätte sich das KHM nie an so eine aufwendige Schau wagen können, sagte Ferino.