Großer Applaus: «Moses und Aron» in Berlin

Zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz setzt der Berliner Erfolgsintendant Barrie Kosky ein lange geplantes Mammutprojekt um. Am Sonntag stellte er an der Komischen Oper Berlin Arnold Schönbergs unvollendetes Zwölftonwerk «Moses und Aron» vor.

Großer Applaus: «Moses und Aron» in Berlin
Jörg Carstensen Großer Applaus: «Moses und Aron» in Berlin

Mit fast 200 Darstellern auf der Bühne macht der gebürtige Australier die Saga vom Exodus der Juden aus Ägypten zu einem hochemotionalen Glaubenskrieg zwischen dem puristischen Propheten Moses und seinem trickreichen Zauberbruder Aron. Am Schluss wird Moses eins mit einem riesigen Berg toter Körper, wenn er mit seiner Klage endet: «O Wort, du Wort, das mir fehlt!»

Großer Applaus für die beiden Hauptdarsteller Robert Hayward und John Daszak, vor allem aber für den herausragenden Chor. Die Sänger hatten vor den gewaltigen Szenen als zweifelndes, zögerndes Volk fast hundertmal nur den musikalischen Teil geprobt, um ausreichend Sicherheit für das Spielen zu haben. Das Orchester beweist unter Leitung des russischen Stardirigenten Vladimir Jurowski, welch emotionale Wucht die atonale Musik haben kann. Dramaturgisch gesehen sei für ihn «Moses und Aron» sicher das radikalste Stück des 20. Jahrhunderts, sagt Kosky.