Größter Olympia-Fehlstart nach der Wende

Das deutsche Olympia-Team hat bei den Rio-Spielen mit drei medaillenlosen Tagen den größten Fehlstart nach der Wiedervereinigung hingelegt.

Größter Olympia-Fehlstart nach der Wende
Bernd Thissen Größter Olympia-Fehlstart nach der Wende

«Wir wussten von Anfang an, dass wir gerade an den ersten Tagen nur wenige ernsthafte Chancen haben», sagte der Chef de Mission Michael Vesper der Deutschen Presse-Agentur. «Deshalb lassen wir uns jetzt nicht verrückt machen. Noch haben wir 13 Wettkampftage. Jeden Tag geht die Sonne wieder auf.»

Auch die Hoffnung, dass Paul Biedermann über 200 Meter Freistil für die erste Medaille sorgen würde, erfüllte sich nicht. Er schlug nur als Sechster an. «Paul Biedermann hat drei wunderbare Rennen abgeliefert, leider reichte es nicht zu einer Medaille», meinte Vesper. Zuvor hatten die Berliner Wasserspringer Patrick Hausding und Sascha Klein nur knapp Bronze verpasst und waren Vierte geworden.

Deutschlands Fahnenträger Timo Boll scheiterte im Tischtennis-Einzel. Er verlor mit 2:4 im Achtelfinale gegen den Nigerianer Quadri Aruna. Sein Scheitern passte irgendwie ins Bild, denn auch am dritten Wettkampftag bei den Olympischen Spielen in Rio hat es für die deutsche Mannschaft viele Enttäuschungen gegeben.

Die Vielseitigkeitsreiter hakten die ersehnte Goldmedaille nach dem Debakel von Olympia-Debütantin Julia Krajewski, die nach drei Verweigerungen ihres Pferdes ausschied, bereits ab. «Der Traum von der Titelverteidigung ist geplatzt», sagte Bundestrainer Hans Melzer. Immerhin gibt es noch eine Medaillen-Chance.

Angelique Kerber und Laura Siegemund erreichten das Achtefinale. Deutschlands Tennis-Liebling setzte sich mit 6:4, 6:2 gegen die Kanadierin Eugenie Bouchard durch. Siegemund gewann gegen die Chinesin Zhang Shuai 6:2, 6:4. Tennis-Hoffnung Philipp Kohlschreiber musste wegen einer Fußverletzung seine Zweitrundenpartie absagen.

Tischtennis-Ass Dimitrij Ovtcharov kam mit einem Siebensatzsieg gegen den für Katar startenden Li Ping ins Achtelfinale. Für seinen Kollegen Boll dagegen platzte auch bei der fünften Olympia-Teilnahme der Traum von der ersten Einzel-Medaille. Die Luftgewehrschützen Julian Justus und Michael Janker verpassten das Finale, und die Judokas Miryam Roper und Igor Wandtke schieden früh aus.

Auch bei den Ruderern und den Seglern lief nicht alles nach Wunsch. Immerhin schafften der Deutschland-Achter und der Doppelvierer der Männer den Einzug ins Finale und fahren dort um Gold. In der Laserjolle kam Medaillenhoffnung Philipp Buhl am Auftakttag nur zu zwei 16. Plätzen. Immerhin Gesamtsechster ist RS:X-Surfer Toni Wilhelm. Die Slalom-Kanuten stehen in allen vier Disziplinen in den Halbfinals.

Nach zwei Wettkampftagen wartete das deutsche Team immer noch auf das erste Edelmetall am Zuckerhut. «Beunruhigend ist es nicht», schätzte DOSB-Präsident Alfons Hörmann die Lage jedoch ein. «Wir müssen jetzt alle die nötige Geduld aufbringen. Da wird noch viel passieren.»

Die deutschen Judokas warten in Rio weiter auf ihre erste Viertelfinal-Teilnahme. Im Boxring verabschiedete sich in Arajik Marutjan der zweite deutscher Faustkämpfer bereits in Runde eins. Der Weltergewichtler aus Schwerin unterlag am Montag Gabriel Maestre aus Venezuela nach Punkten.

Im Soll sind die deutschen Hockey-Herren, die weiter ungeschlagen sind. Der Olympiasieger gewann auch sein zweites Turnierspiel - gegen Indien hieß es 2:1. Die Damen holten in ihrer zweiten Partie den ersten Sieg. Sie bezwangen Neuseeland ebenfalls mit 2:1.