Grotesk und philosophisch: Erwin Wurm in Wolfsburg

Hört man Erwin Wurm reden, könnte man den Eindruck eines depressiven Künstlers bekommen. Er sagt Sätze wie: «Wir sind ja alle Abfallsäcke in Wahrheit» oder «Ich kenne keine Stadt, wo man keinen Grund hat zu leiden.»

Grotesk und philosophisch: Erwin Wurm in Wolfsburg
Philipp Von Ditfurth Grotesk und philosophisch: Erwin Wurm in Wolfsburg

Doch seine neue Schau «Erwin Wurm. Fichte.», die im Wolfsburger Kunstmuseum gezeigt wird, ist bei weitem kein Stimmungskiller. Im Gegenteil.

In der großen Halle hängen haushohe Nordmanntannen umgekehrt von der Decke. Drumherum werden mehr als 40 Werke des Österreichers (Jahrgang 1954) gezeigt. Darunter ein kopfloser Mann in Hosen, der seinen Penis präsentiert, und eine Art Pissoir in Form eines an der Gürtellinie gekappten Mannes, der klein und dick ist. Die Werke sind oft grotesk verformt und haben Witz.

Viele Exponate thematisieren Alltägliches: Spazierengehen zum Beispiel, Schlafen oder Essen. «Ich behandle schon Themen meiner Zeit», sagt Wurm, der in letzter Minute noch ein Kunstwerk vollendet. Kurz bevor er am Donnerstag Journalisten durch die Ausstellung führen soll, sieht man ihn mit einem Kugelschreiber an einem Tisch, der unter den Tannen steht. «Kübel auf/über den Kopf; so stehen bleiben; und an Fichte denken ...», schreibt er. Es ist eine Mitmach-Anleitung für eine seiner bekannten «One Minute Sculptures», bei denen der Besucher selbst zum Kunstwerk wird.

20 Werke sind nach Museumsangaben speziell für die Wolfsburger Ausstellung entstanden. Hinter all den Kuriositäten steckt ein philosophischer Unterbau, der sich nicht immer gleich erschließt. Wurm wolle die Belanglosigkeit der Existenz zeigen, erklärt Kurator Björn Egging. Der Künstler selbst meint: Letztendlich scheitern wir. «Wer sich damit zurechtfindet, hat das große Los gezogen.»

Das soll sich auch in einem Werk aus nachgebildeten Gurken widerspiegeln. Auf weißen Sockeln steht jeweils eine einzelne Essig- oder Salatgurke. Auf Deutsch lautet der Titel «Selbstporträt als Gurken». Was ihn dazu bewogen hat? «Man ist, was man isst.» Er habe früher sehr gerne Essiggurken gegessen.

Es liegt viel Tristesse in Wurms Worten, auch wenn er viel lacht und scherzt. Und schließlich fällt der Satz, der erklären mag, warum ein nachdenklicher Mensch komische Kunst macht: «Humor hilft natürlich.»