Guatemalas Präsident Pérez tritt nach Haftbefehl zurück

Stadt (dpa) - Guatemalas Präsident Otto Pérez hat im Zuge eines Korruptionsskandals seinen Rücktritt erklärt. Der 64-jährige Ex-General, gegen den kurz zuvor Haftbefehl erlassen worden war, kündigte den Schritt in einem Brief an das Parlament an, wie sein Sprecher mitteilte.

Guatemalas Präsident Pérez tritt nach Haftbefehl zurück
Esteban Biba Guatemalas Präsident Pérez tritt nach Haftbefehl zurück

Örtliche Medien veröffentlichten das Schreiben. Er stelle sich mit reinem Gewissen den bevorstehenden Verfahren, betonte Pérez. Die Ermittler werfen ihm die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Bestechlichkeit und Betrug vor. Pérez bestreitet das.

Der Kongress hatte Pérez zuvor die Immunität entzogen und damit den Weg für ein Strafverfahren frei gemacht. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft und der UN-Kommission gegen Straffreiheit (Cicig) stand der Präsident an der Spitze eines Korruptionsrings.Dieser soll Unternehmen gegen die Zahlung von Schmiergeld erlaubt haben, Waren am Zollamt vorbei in das mittelamerikanische Land zu importieren. Damit sei die Staatskasse wohl um Millionen Dollar an Einnahmen gebracht worden, lauten die Vorwürfe.

An diesem Sonntag wählt das mittelamerikanische Land einen neuen Präsidenten. Der seit 2012 amtierende Konservative Pérez konnte nicht erneut antreten. Seine Amtszeit wäre regulär im Januar kommenden Jahres zu Ende gegangen. Über seinen Anwalt ließ Pérez mitteilen, er werde sich der Justiz freiwillig stellen. Sein Sprecher teilte nach Medienberichten mit, der Ex-General befinde sich in seinem Haus in der Hauptstadt. Das Land darf er nicht verlassen.

Angesichts immer neuer Details in der Korruptionsaffäre hatten vergangene Woche Zehntausende Menschen gegen Pérez' Regierung protestiert und die Absetzung des Staatschefs gefordert. Auch die einflussreiche katholische Kirche hatte ihn zum Rücktritt aufgefordert.

Das rund 15 Millionen Einwohner zählende Land wird seit Monaten von einer Reihe von Korruptionsskandalen erschüttert. Die frühere Vizepräsidentin Roxana Baldetti ist bereits wegen illegaler Bereicherung festgenommen worden. Mehrere Minister traten zudem zurück.