Gutachten: Benzin an Zschäpes Socken

Ihre Socken könnten die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe als Brandstifterin überführen: An den Strümpfen, die sie 2011 bei ihrer Festnahme trug, fanden Experten Hinweise auf Benzin.

Das entsprechende Gutachten stellte ein Sachverständiger des Sächsischen Landeskriminalamtes am Mittwoch im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht vor. Medien hatten bereits 2012 über die kriminaltechnische Untersuchung berichtet.

Zschäpe soll am 4. November 2011 gegen 15.00 Uhr mit Benzin ein Feuer in der letzten gemeinsamen Wohnung der NSU-Mitglieder in Zwickau gelegt haben, um Spuren zu vernichten. Zuvor hatten sich ihre mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt umstellt von der Polizei in einem Wohnmobil erschossen.

Noch immer nicht klar ist, wie Zschäpe von dem Selbstmord der beiden Freunde erfuhr - möglicherweise bekam sie die Information aus den Medien. Eine Pressemitteilung über zwei nicht identifizierte Tote in einem Wohnmobil sei um 14.18 Uhr versendet worden, berichtete der damalige Chef der Polizeidirektion Gotha, Michael Menzel.

Schon um 12.30 Uhr sei er informiert worden, dass Medien am Wohnmobil seien - noch vor der Feuerwehr. Gegen 16.00 Uhr habe sich herausgestellt, dass eine der bei den Männern gefundenen Waffen der in Heilbronn getöteten Polizistin Michèle Kiesewetter gehörte. «Das war der erste entscheidende Punkt zu der berechtigten Annahme, dass man es nicht mit normalen Banküberfällen zu tun hat.»

Zschäpe ist als Mittäterin bei allen Verbrechen des «Nationalsozialistischen Untergrunds» angeklagt, darunter neun Morde an türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern. Die Brandstiftung ist aber die einzige Tat, die sie unmittelbar selbst begangen haben soll. Die Anklage wirft ihr hier besonders schwere Brandstiftung in Tateinheit mit versuchtem Mord vor, weil sich in der angrenzenden Wohnung eine alte Nachbarin aufhielt.

Die schwarzen Strümpfe waren ebenso wie rote Lederschuhe und weitere Kleidungsstücke am 8. November sichergestellt worden, als sich Zschäpe vier Tage später freiwillig stellte. Die Rückstände an ihren Socken stammten höchstwahrscheinlich von Benzin, erläuterte der LKA-Sachverständige vor Gericht. Auch in der ausgebrannten Wohnung, in Teppichen und Polstern, fanden Experten Spuren von Kraftstoff. Allerdings stammten die brennbaren Stoffe nach Einschätzung des Sachverständigen aus zwei verschiedenen Quellen.

Am Mittwoch ging es vor Gericht auch um die Frage, ob und wie die Nachbarin des Trios, die inzwischen in einem Altenheim lebt und an Demenz leidet, vernommen werden kann. Der psychiatrische Gutachter Cornelis Stadtland sage dazu, eine Reise nach München sei der Seniorin nicht zuzumuten. Er halte sie aber für vernehmungsfähig und schlage deshalb vor, die Möglichkeit einer Videovernehmung zu prüfen. Dafür sprach sich auch Bundesanwalt Herbert Diemer aus. Zschäpes Verteidigung will hingegen eine kommissarische Vernehmung der alten Dame.

Ausführlich diskutierten die Prozessbeteiligten, ob eine Vernehmung die Seniorin über die Maßen belasten oder gar in einen Zusammenbruch treiben könnte. Für sie war mit der Zerstörung ihrer Wohnung eine Welt zusammengestürzt. Sie wollte dort ihren Lebensabend verbringen. Ihr seien regelmäßig die Tränen gekommen, wenn sie im Rollstuhl an dem zerstörten Haus vorbeigeschoben wurde, hieß es.