Ägypten bombardiert IS in Libyen

Nach der Enthauptung ägyptischer Christen in Libyen durch die IS-Terrormiliz wird der Ruf nach einem Eingreifen des UN-Sicherheitsrates laut.

Die internationale Gemeinschaft müsse neue Maßnahmen ergreifen, um das Vordringen des IS in dem Bürgerkriegsland zu verhindern, hieß es nach einem Telefongespräch der Präsidenten Frankreichs und Ägyptens, François Hollande und Abdel Fattah al-Sisi.

Anhänger der Miliz Islamischer Staat (IS) hatten am Sonntag ein Video mit der Ermordung mehrerer koptischer Christen aus Ägypten veröffentlicht. Die ägyptische Luftwaffe bombardierte daraufhin am Montag IS-Stellungen in Libyen.

Bundespräsident Joachim Gauck reagierte mit Erschütterung auf die Ermordung der Ägypter. «Das barbarische Vorgehen der Täter erschüttert mich zutiefst und zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, im Kampf gegen diese Terrororganisation zusammenzustehen», heißt es in einem Kondolenzschreiben an Al-Sisi. Auch die Vereinten Nationen, die USA und Papst Franziskus zeigten sich entsetzt über das neue Gräuelvideo.

Libyen befindet sich seit Monaten in einem blutigen Bürgerkrieg, zwei Regierungen in Tripolis und Tobruk beanspruchen die Macht. Das Chaos im Land machen sich dschihadistische Gruppen zunutze. Vertreter der Regierungen in Tripolis und Tobruk treffen sich seit vergangener Woche erstmals zu UN-Friedensgesprächen.

Nach Angaben des ägyptischen Außenministeriums wurden überwiegend Ziele in der östlichen Region Derna bombardiert. Sie gilt als Hochburg jener Terrorgruppe, die im Oktober dem IS die Treue schwor. Die reguläre libysche Luftwaffe unterstützte die Bombardements nach eigenen Angaben. Sie kämpft aufseiten der international anerkannten Tobruk-Regierung. Diese ist auch mit Ägypten verbündet. Die islamistische Gegenregierung in Tripolis hingegen verurteilte die «Attacke auf die Souveränität Libyens».

In dem Bürgerkriegsland halten sich nach Angaben des ägyptischen Außenministeriums noch Hunderttausende Landsleute auf. Viele sind als Gastarbeiter in dem umkämpften Nachbarland. Auch bei den vom IS getöteten Christen handelte es sich nach Angaben der koptischen Kirche um Gastarbeiter. Insgesamt 21 Männer seien Ende Dezember und Anfang Januar in Libyen entführt worden. Das Enthauptungsvideo ist die erste professionell inszenierte Gräueltat des IS außerhalb seines Kerngebiets in Syrien und im Irak.

Die Vereinten Nationen, die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Länder verurteilten die Tötungen mit scharfen Worten. Auch Papst Franziskus zeigte sich entsetzt. «Sie wurden ermordet, nur weil sie Christen waren», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Montag bei einer Audienz für eine ökumenische Delegation aus Schottland im Vatikan. «Das Blut unser christlichen Brüder ist ein Zeugnis des Aufschreis.» Der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Volker Kauder, bezeichnete die Ermordung der Christen als «Anschlag auf die traditionelle religiöse Vielfalt im Nahen Osten». «Wir (...) lassen uns so wenig wie die ägyptische Regierung und das ägyptische Volk durch Gewalt einschüchtern», schrieb Kauder.