Hacker-Affäre um Nordkorea: Ein Gespenst von Cyberkrieg

Wie in Hochzeiten des Kalten Krieges tauschen die USA und Nordkorea Drohungen aus. Doch statt um Panzer und Raketen kreisen die Gedanken dabei um den Cyberspace. Vor allem Nordkorea lässt verbal die Muskeln spielen.

US-Präsident Barack Obama kündigte eine «angemessene» Reaktion auf den Cyber-Angriff auf das Filmstudio Sony Pictures an, für den die USA Nordkorea verantwortlich machen. Ihm blieb nichts anderes übrig. Nicht so sehr das Hacken der Computer zwingt die USA zu einer Antwort, sondern die erfolgreiche Erpressung, die damit einherging.

Allerdings blieb Obama mit seiner Drohung vage und sprach in einem CNN-Interview von «Cybervandalismus» statt von «Cyberkrieg». Von Nordkorea kamen dagegen die gewohnt kriegerischen Töne. Die Nationale Verteidigungskommission erklärte, das Land sei zur Konfrontation in «allen Kriegsbereichen einschließlich des Cyber-Kriegsraums» bereit.

Dass eine weltweit isolierte Diktatur es schafft, die Meinungsfreiheit in den USA zu deckeln, ist für Washington eine Demütigung. So etwas kann eine Nation, die sich als Leuchtfeuer der Freiheit in der Welt begreift, nicht straflos hinnehmen.

Die Entscheidung von Sony Pictures, die Premiere der Nordkorea-Satire «The Interview» abzusagen, habe die USA in eine sehr schwierige Lage gebracht, meint der Korea-Experte Scott Snyder von der Denkfabrik Council on Foreign Relations. Obama müsse einen Weg finden, um Amerikas Feinden den Eindruck zu nehmen, «dass solche Drohungen tatsächlich funktionieren könnten».

Gerade in stark vernetzten Ländern wie den USA und Südkorea sitzt die Angst vor einem Cyberkrieg besonders tief. Das hat die Affäre um den Hacker-Angriff verdeutlicht. Die US-Regierung sieht darin einen «Angriff auf die nationale Sicherheit».

Aber welche Optionen haben die USA? Die Möglichkeiten, die «dreiste» nordkoreanische Tat zu ahnden, sind äußerst begrenzt. So meint der ehemalige US-Heimatschutzminister Tom Ridge, den USA bleibe kaum mehr als die Möglichkeit, mit einer eigenen Cyberaktion zu antworten - zumindest, um die Infrastruktur der Hacker lahmzulegen.

Wie weit entwickelt die nordkoreanischen Fähigkeiten zu einem Krieg im Cyberraum tatsächlich sind, ist unklar. Nach Einschätzung des südkoreanischen Geheimdienstes rüstet sich das Nachbarland schon seit Jahren für einen Cyberkrieg - auch wenn das kommunistische Regime den eigenen Bürgern den Internetzugang verweigert.

So bilde Pjöngjang Hackerbrigaden für Attacken im Ausland aus. Das US-Verteidigungsministerium sieht in der «offensiven Cyber-Betätigung» einen für «Nordkorea kostengünstigen Weg für eine asymmetrische, ableugbare militärische Option».

Nordkorea unterstellt den USA seit Jahren eine feindselige Politik. Als wahrscheinlicher Beweggrund Nordkoreas für den Hacker-Angriff gilt der umstrittene Film «The Interview». Darin geht es um einen Auftrag an zwei US-Journalisten, den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zu töten. Auf Kritik des Auslands an Kim reagiert das Land besonders empfindlich. Pjöngjang hatte den Film als «eine Terror- und Kriegsaktion» bezeichnet. Allerdings bestreitet das Land, irgendetwas mit dem Hacker-Angriff zu tun zu haben.

Am Samstag schlug Nordkorea den USA sogar gemeinsame Ermittlungen zu dem Fall vor. Allerdings werteten Experten das als einen Schritt Nordkoreas, um Druck auf die USA auszuüben. Denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass die USA zur Zusammenarbeit bereit sind.

Wie geht es weiter? Die Crux für die USA ist, dass das internationale weitgehend abgeschottete Nordkorea kaum Ansatzpunkte für Sanktionen bietet. Es gibt nicht viel Wirtschaft, die man bestrafen könnte, zumal Nordkorea bereits seit Jahren wegen seines umstrittenen Atomprogrammes mit Sanktionen belegt ist.

Also eine Cyberaktion? Dann bestünde das Risiko, dass ein richtiger Cyberkrieg zwischen beiden Ländern entbrennt - bei dem die USA wegen ihrer entwickelten Infrastruktur vom Energiesektor bis zum Verkehrs- oder Gesundheitswesen viel mehr Angriffsflächen böten als Nordkorea.