Haft für Wolfsburger IS-Rückkehrer

Ein radikaler Prediger begeisterte Dutzende junge Wolfsburger für die Terrorgruppe Islamischer Staat - zwei seiner Anhänger müssen nun in Haft.

Haft für Wolfsburger IS-Rückkehrer
Julian Stratenschulte Haft für Wolfsburger IS-Rückkehrer

Wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verurteilte das Oberlandesgericht Celle die beiden Deutsch-Tunesier, die im vergangenen Jahr nach nur wenigen Monaten aus Syrien zurückgekehrt waren.

Ayoub B. (27) erhielt vier Jahre und drei Monate Haft, Ebrahim H. B. (26) drei Jahre. Die beiden waren 2014 nach Syrien aufgebrochen, aber schon nach rund drei Monaten desillusioniert zurück nach Niedersachsen geflohen. Sie haben nach Überzeugung des Gerichts inzwischen mit dem IS gebrochen und in ihren Geständnissen viele Einblicke in die Terrororganisation gegeben.

Nach eigener Aussage wollten die beiden Männer nicht kämpfen, sondern nur den Islam studieren, wurden aber zwangsrekrutiert. Der 27-Jährige war als Krankenwagenfahrer bei Kämpfen im Irak dabei, der 26-Jährige machte sich als Selbstmordattentäter auf den Weg nach Bagdad, zu einem Anschlag durch ihn kam es dann aber nicht. Von möglichen Terrorplänen in Deutschland war bei den zweien nie die Rede.

Die Bundesanwaltschaft hatte für Ayoub B. (27) wegen seiner Unterstützung von Kämpfen siebeneinhalb Jahre Haft auch wegen Beihilfe zum Mord gefordert. Die Verteidigung hatte auf Freispruch oder Einstellung des Verfahrens plädiert. Ebrahim H. B. (26) sollte nach dem Willen der Anklage vier Jahre und drei Monate hinter Gitter, die Verteidigung hatte höchstens zwei Jahre Haft zur Bewährung für genug gehalten.

Die zwei Wolfsburger hatten bei der Polizei und Ebrahim H. B. auch in einem TV-Interview umfangreich über die Hintergründe der Terrormiliz gesprochen. Ayoub B. steht deshalb als Abtrünniger auf einer Todesliste des IS. Ebrahim H. B. wurde nach Verteidigerangaben in der Haft von Islamisten bedroht.

Die Zahl der radikal-islamischen Salafisten ist in Niedersachsen in diesem Jahr wie auch bundesweit weiter angestiegen. Sie wird vom Verfassungsschutz auf derzeit 480 geschätzt, nachdem 2014 noch von 400 die Rede war.