Hamburg baut Musicalstandort mit neuem Theater weiter aus

Während drinnen die Besucher noch dem Konzert lauschen, beginnt um 23 Uhr für die benachbarten Obst- und Gemüsehändler die Arbeit: Mitten auf dem Hamburger Großmarkt, integriert in die denkmalgeschützten Hallen von 1962, hat am Samstagabend das neue Mehr! Theater eröffnet.

Hamburg baut Musicalstandort mit neuem Theater weiter aus
Christian Charisius Hamburg baut Musicalstandort mit neuem Theater weiter aus

Damit baut Deutschlands Musicalhauptstadt Hamburg ihren Standort weiter aus. Das neue Theater des Unternehmen Mehr! Entertainment bietet bis zu 2400 Zuschauern Platz und ist damit das größte der Stadt. Mit den vier Musicaltheatern der Stage Entertainment kann die Hansestadt nun mit fünf Musicalspielstätten aufwarten. Schon jetzt gilt Hamburg nach New York und London als drittgrößte Musicalmetropole der Welt.

Aber braucht Hamburg überhaupt noch ein Musicaltheater? Maik Klokow, Geschäftsführer Mehr! Entertainment, meint ja: «Wir haben hier einen neuen Anker gesetzt. Ein Mehrzwecktheater, kein Musicaltheater, wie der ein oder andere vielleicht denkt», sagte er vor dem Konzert. Deshalb wurde das Theater auch nicht mit einer Musicalproduktion eröffnet - das Queen-Musical «We Will Rock You» und «Dirty Dancing» folgen demnächst -, sondern mit einem klassischen Konzert. Unter Leitung des italienischen Dirigenten Gianandrea Noseda spielte das London Symphony Orchestra das erste Klavierkonzert von Peter Tschaikowsky sowie die fünfte Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch. Am Ende gab es Applaus im Stehen für Orchester und Dirigenten, als Solist wurde der russisch-israelische Pianist Roman Zaslavsky gefeiert.

«Das Theater hier mitten im Hafen, das hat was», meinte Schauspielerin Hannelore Hoger («Bella Block»). Manch andere Halle in der Hansestadt sei etwas in die Jahre gekommen. Konzertveranstalter Hans-Werner Funke ist ebenfalls gespannt. «Ob Hamburg so ein Haus braucht, wird sich noch herausstellen. Da muss man auch die Akustik abwarten. Als Gastspielhaus finde ich das Theater schon interessant. Es ergänzt das Angebot zwischen Elbphilharmonie, Congresscentrum (CCH) und der großen O2-World.» Nach Angaben von Theaterleiterin Nathalie Heinrich gibt es bereits viele Anfragen.

In dem Theater mit flexiblen Stuhlreihen sind verschiedene Bespielungsvarianten möglich: Mal gibt es eine frontale Bühne mit klassischem Theaterportal, bei einem Popkonzert können die Zuschauer im Innenraum stehen, mal ist die Bühne in der Mitte mit Sitzplätzen umgeben, zum Beispiel bei einem Boxkampf. Die Anzahl der Plätze variiert dementsprechend von 480 bei einem Galaabend bis zu 3500 Steh- und Sitzplätzen. «Selbst Dressurreiten oder Schlittschuhlaufen wären theoretisch möglich», sagte der technische Leiter Michael Rütz. Rund 30 Millionen Euro investierte das Unternehmen Mehr! Entertainment, das bereits sieben Spielstätten in Deutschland betreibt.

«Das ist ein Glücksfall für unsere Stadt - aus touristischer, kultureller und wirtschaftlicher Sicht», hatte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) beim Richtfest erklärt und an die Anfänge Hamburgs als Musicalstadt mit der «Cats»-Premiere 1986 erinnert. Marktführer Stage Entertainment zeigt seine Produktionen mittlerweile in vier Häusern. Erst im November 2014 hat das neue Theater an der Elbe mit dem Musical «Das Wunder von Bern» eröffnet, direkt neben dem Dauerbrenner «Der König der Löwen». Im Theater Neue Flora wird Anfang Dezember das «Das Phantom der Oper» von «Aladdin» abgelöst. Im Operettenhaus auf der Reeperbahn folgt auf das Boxer-Musical «Rocky» im Herbst «Liebe stirbt nie», die Fortsetzung des «Phantom der Oper».