Entscheidung über Zukunft von Prokon steht bevor

Mehrere tausend Gläubiger sind am Donnerstag in einer Hamburger Messehalle zusammengekommen, um über die Zukunft der insolventen Windenergie-Firma Prokon zu entscheiden.

Nach einem Bericht des «Handelsblatts» über die nichtöffentliche Versammlung wird Prokon vermutlich nicht an den Energiekonzern EnBW verkauft. Die Gläubiger dürften sich demzufolge für eine genossenschaftliche Lösung entscheiden.

Ähnliches berichtete die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» auf ihrer Internetseite. Bis zum Nachmittag gab es jedoch noch keine Entscheidung.

Insgesamt hat Prokon rund 100 000 Gläubiger. Neben den etwa 75 000 Anlegern, die über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro in der Firma aus Itzehoe (Schleswig-Holstein) angelegt hatten, sollen auch Banken, Lieferanten, Stromkunden und andere Gruppen ihr Votum abgeben.

Es hätten sich Anleger mit einem Genusskapital von rund 800 Millionen Euro bereiterklärt, ihr Kapital in eine Genossenschaft einzubringen, berichtete ein Teilnehmer der Deutschen Presse-Agentur. Damit war die für diese Abstimmung notwendige Schwelle von 660 Millionen Euro überschritten.

Schon eine Stunde vor dem Beginn strömten Hunderte von Gläubigern aus ganz Deutschland in die Messehalle unweit der Innenstadt. Allein zur Prüfung der Personalien und der Rechtsposition der Teilnehmer waren 70 Schalter aufgebaut. Das Amtsgericht Itzehoe als Ausrichter der Gläubigerversammlung hatte rund 80 Justizbeamte mobilisiert, um den ordnungsgemäßen Ablauf zu gewährleisten.

Die Halle war für rund 9200 Teilnehmer eingerichtet, die alle Wortmeldungen auch über große Monitore und Lautsprecher verfolgen konnten. Tatsächlich beteiligten sich aber deutlich weniger Personen. Viele Anleger ließen sich durch Anwälte vertreten.

Das Genossenschaftsmodell muss von allen Gläubigergruppen sowohl nach Köpfen als auch nach Gläubigeranspruch eine Mehrheit erreichen. Sollten einzelne Gruppen nicht zustimmen, kann das Modell trotzdem angenommen werden, wenn die Gläubiger dadurch nicht schlechter gestellt werden.

Über Prokon war 2014 wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Das Unternehmen hatte sich mit hochverzinslichen Genussscheinen finanziert und konnte die Papiere nicht mehr zurücknehmen. Gründer Carsten Rodbertus musste das Unternehmen nach Konflikten mit Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin verlassen. Gegen Rodbertus ermittelt die Staatsanwaltschaft Lübeck wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung.