HSV empfindet Dankbarkeit für erneutes Nachsitzen

Eine Katze hat sieben Leben, sagt man. So viele hat der Hamburger SV wohl auch. Als wahrscheinlichster Abstiegskandidat neben dem SC Paderborn in den letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga gestartet, retteten sich die Norddeutschen wie schon im Vorjahr auf den Relegationsplatz.

HSV empfindet Dankbarkeit für erneutes Nachsitzen
Axel Heimken HSV empfindet Dankbarkeit für erneutes Nachsitzen

«Keiner hatte mehr einen Pfifferling auf uns gegeben», beschrieb HSV-Trainer Bruno Labbadia die Ausgangssituation. Seine Jungs erledigten ihre Hausaufgaben nach Toren von Ivica Olic und Slobodan Rajkovic mit einem verdienten 2:0 über biedere, kriselnde Schalker. Den Rest zum Hamburger Überleben steuerte Hannover 96 bei. «Die Roten» schickten den SC Freiburg mit 2:1 in die Zweitklassigkeit und beschenkten die Hanseaten mit der Saisonverlängerung. Am Donnerstag hat der HSV Heimrecht, am 1. Juni geht es zum Zweitliga-Dritten.

Weil das Hamburger Spiel mehrere Minuten vor den Partien der Konkurrenten beendet war, hatten sich die HSV-Profis noch auf dem Spielfeld um ein Handy gescharrt, um die anderen Spielstände in Erfahrung zu bringen. «Am schlimmsten war das Leiden, als aus Hannover das 2:1 verkündet wurde und noch zwei Minuten zu spielen waren», berichtete Peter Knäbel, Direktor Profifußball.

Trainer Bruno Labbadia tigerte am Spielfeldrand auf und ab und traute sich erst in den Stadiontunnel, als er das Signal bekam: Relegation perfekt. Die meisten der 57 000 Zuschauer harrten im Stadion aus, bis die Resultate bekanntwurden. Jubel brandete auf. Dann herrschte wieder Ruhe. Für Partystimmung gab es keinen Anlass.

Große Töne spuckten die erleichterten HSV-Profis nicht. Geradezu demütig gab sich Heiko Westermann. «Wir haben die Chance erhalten, noch zwei Spiele machen zu dürfen», gestand der Rechtsverteidiger. Ähnlich erging es Knäbel. «Es ist Dankbarkeit, dass man diese Extrarunde wieder drehen darf», meinte der Analytiker. Den Äußerungen ist zu entnehmen, dass sich selbst Spieler und Führung wohl eigentlich schon auf Abstieg eingestellt hatten.

Die Erinnerung an den Vorjahresauftritt in der Relegation wird wieder wach. Vor einem Jahr überlebten die Hamburger nur mit unverschämt viel Glück und dank der Auswärtstorregel. Mit 0:0 und 1:1 gegen Greuther Fürth schrammten sie denkbar knapp am erstmaligen Abstieg in die Zweitklassigkeit vorbei. Diesmal will der bedrohte Bundesliga-Dino Eindeutigkeit. «Wir kennen uns da ja aus», meinte HSV-Torhüter René Adler über die Relegation. «Wenn wir mit dem Rücken zur Wand standen, haben wir es immer gut gemacht.»

Im Vergleich zur Vorjahresrelegation sieht Adler einen gewaltigen Unterschied: «Wir hatten vergangene Saison nach den verlorenen Spielen überhaupt kein Selbstvertrauen. Jetzt kommen wir als eine absolut intakte Mannschaft und haben einen Mega-Drive.» Unter Labbadia sammelte die zuvor desaströse Truppe zehn Punkte in sechs Spielen.

Vorstandsvorsitzender Dietmar Beiersdorfer, der am Tiefpunkt zunächst Verlegenheitstrainer Knäbel ausprobiert hatte, bevor er sich zu Labbadia durchringen konnte, lobte seinen aktuellen Coach. «Bruno ist einer fast aussichtslosen Situation gekommen. Da waren wir ziemlich am Boden. Er hat das grandios gemacht, er hat der Mannschaft wieder Mut, Selbstvertrauen und auch eine Spielanlage gegeben», sagte er im TV-Sender Sky. Schon vor den beiden Entscheidungsspielen ist sich Labbadia sicher: «Es hat sich gelohnt, den Job anzunehmen.»