Nackenschlag für EnBW: Prokon wird Genossenschaft

Die Prokon-Anleger wollen die Windenergie-Firma nach der Insolvenz behalten und als Genossenschaft weiterführen.

Das beschloss die Gläubigerversammlung am Donnerstag in Hamburg. Ein Kaufangebot des Energieversorgers EnBW über 550 Millionen Euro wurde nicht mehr zur Abstimmung gestellt, nachdem sich die Mehrheit der Gläubiger für die genossenschaftliche Lösung ausgesprochen hatte. Für den Karlsruher Konzern ist das ein herber Rückschlag, nachdem er sich sehr intensiv um die Zustimmung der Anleger bemüht hatte.

«Wir bedauern natürlich diese Entscheidung, denn Prokon und EnBW hätten gut zusammengepasst und gemeinsam die Windkraft in Deutschland noch stärker voranbringen können», sagte EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux. «Aber wir haben auch großen Respekt für die Verbundenheit der Genussrechtsinhaber mit Prokon, die darin zum Ausdruck kommt.» Für die EnBW-Strategie, die bereits Mitte 2013 beschlossen wurde, ändere sich dadurch nichts. «Wir werden uns jetzt, wie ursprünglich geplant, auf Maßnahmen vor allem des organischen Wachstums konzentrieren, um unsere Ziele zu erreichen», sagte Mastiaux.

Für das Genossenschaftsmodell stimmten rund 35 000 Prokon-Anleger, die mehr als 800 Millionen Euro Genussrechtskapital vertreten. Mehrere tausend Gläubiger waren in einer Hamburger Messehalle zusammengekommen, um über die Zukunft des Unternehmens zu entscheiden. Insgesamt hat Prokon rund 100 000 Gläubiger. Neben den etwa 75 000 Anlegern, die über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro in der Firma aus Itzehoe (Schleswig-Holstein) angelegt hatten, haben auch Banken, Arbeitnehmer und andere Gruppen ihr Votum abgeben.

Über Prokon war 2014 wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Das Unternehmen hatte sich mit hochverzinslichen Genussscheinen finanziert und konnte die Papiere nicht mehr zurücknehmen. Gründer Carsten Rodbertus musste das Unternehmen nach Konflikten mit Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin verlassen. Gegen Rodbertus ermittelt die Staatsanwaltschaft Lübeck wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung.