Prokon-Gläubiger haben die Wahl - Genossenschaft oder Verkauf?

Für die Gläubigerversammlung von Prokon muss eigens eine Hamburger Messehalle angemietet werden. Mehrere tausend Anleger wollen persönlich über die Zukunft der Windkraft-Firma entscheiden.

Worüber sollen die Gläubiger abstimmen?

Der Insolvenzverwalter hat einen Genossenschafts-Insolvenzplan und einen Investoren-Insolvenzplan vorgelegt. Über den ersten Vorschlag wird abgestimmt, wenn sich Genussrechts-Inhaber mit Forderungen über nominal 660 Millionen Euro verbindlich verpflichten, ihr Kapital in die Genossenschaft einzubringen. Der zweite Vorschlag - ein Verkauf an den Karlsruher Energiekonzern EnBW - kommt erst nach dem Scheitern des ersten Vorschlags zum Zuge.

Was bringt den bisherigen Genussrechts-Inhabern eine Genossenschaft?

Das Kerngeschäft von Prokon - Windenergie-Anlagenbau und Stromhandel - wird fortgeführt. Die Gläubiger erhalten voraussichtlich 57,8 Prozent ihres eingesetzten Geldes zurück (Insolvenzquote) - allerdings über zwei Komponenten: Genussrechts-Inhaber, die an Prokon beteiligt bleiben wollen, können voraussichtlich 23,3 Prozent ihrer Forderungen in eine längerfristige Mitgliedschaft umwandeln. Außerdem haben sie Anspruch auf eine bis zum Jahr 2030 laufende Schuldverschreibung.

Genussrechts-Inhaber, die aus Prokon aussteigen wollen, erhalten eine Barabfindung aus dem geplanten Verkauf eines Palettenwerks in Torgau sowie rumänischer Wälder (ebenfalls 23,3 Prozent). Außerdem bleibt ihnen der Anspruch auf die handelbare, festverzinsliche Anleihe.

Was bringt den Gläubigern das EnBW-Angebot?

Auch in diesem Fall wird das Kerngeschäft von Prokon fortgeführt, unter dem Dach des Energiekonzerns. Die Insolvenzquote beträgt voraussichtlich 52,2 Prozent und setzt sich aus einer sofortigen Barzahlung (34,1 Prozent) und dem Anspruch auf ausstehende Verkaufserlöse (18,1 Prozent) zusammen.

Gibt es noch eine weitere Möglichkeit für Prokon?

Ja, die Auflösung der Firma. Aber das wäre für die Anleger wohl die schlechteste Variante. Die Gläubiger erhielten geschätzt 48,5 Prozent ihrer Forderungen zurück. Diese Lösung käme auch nur zum Zuge, wenn die beiden anderen Pläne zuvor durchfallen.

Welchen Rat gab es für die Entscheidung der Anleger?

Unabhängige Verbraucherschützer verwiesen auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen: Wer sich weiter für die Windenergie engagieren wolle und an eine gute Zukunft für Prokon glaube, solle für das Genossenschaftsmodell votieren. Wer schnell zu Bargeld kommen und das Kapitel Prokon abschließen wolle, sollte für den Verkauf an EnBW stimmen.

Was passiert mit den rund 300 Arbeitsplätzen bei Prokon?

Da das Unternehmen nach beiden Plänen fortgeführt werden soll, bleiben die Arbeitsplätze vorerst erhalten. «Wir werden alle Mitarbeiter übernehmen», hatte der Leiter des Erzeugungsgeschäfts bei EnBW, Dirk Güsewell, in Hamburg angekündigt. Sollte EnBW zum Zug kommen, wollte das Unternehmen mit der Prokon-Belegschaft schauen, «wie wir für die Gestaltung des Wachstums richtig aufgestellt sind».