Hapag-Lloyd strebt 2016 in die Gewinnzone und an die Börse

Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen will vor einem Börsengang der deutschen Linienreederei zunächst solidere Zahlen vorlegen und ein möglichst günstiges Marktumfeld abwarten.

«Natürlich denken wir immer an einen Börsengang», sagte er am Donnerstagabend in Hamburg. «Aber das ist abhängig von den Ergebnissen des Unternehmens und von der Verfassung des Kapitalmarktes.»

Die Hapag-Lloyd-Eigentümer würden am liebsten noch in diesem Jahr an die Börse gehen, doch noch schreibt die Reederei rote Zahlen. Folglich müssen die Ergebnisse möglichst schnell besser werden. Und da sieht sich der Niederländer auf einem guten Weg: «Wir haben eine sehr gute Chance, das Unternehmen zu drehen», sagte Habben Jansen.

Der erste Baustein ist die Fusion mit der Containersparte der chilenischen Reederei CSAV, die im Dezember unter Dach und Fach gebracht wurde. «Bis Mitte des Jahres sind wir eine Organisation, ein Netzwerk», meinte der Hapag-Lloyd-Chef. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die angestrebten Einsparungen von 300 Millionen US-Dollar jährlich erreichen - und noch ein bisschen mehr.»

Die genauen Folgen der Fusion für die Belegschaft ließ Habben Jansen noch offen. Einerseits sei klar, dass bei einer Zusammenführung auf Dauer auch das Personal angepasst werden müsse.

Andererseits sei das nicht der Schwerpunkt 2015. Wichtiger sei ein zweiter Baustein: Mit einem zusätzlichen Sparprogramm will Habben Jansen nochmals einen dreistelligen Millionenbetrag bei den Kosten einsparen. Die Maßnahmen reichen von Optimierungen bei den Inlandsverkehren über günstigeren Treibstoffeinkauf bis zu einer höheren Auslastung der Schiffe.

Mit 200 Schiffen und einem Umsatz von rund neun Milliarden Euro ist Hapag-Lloyd die viertgrößte Containerreederei der Welt - mit großem Abstand zu den Top drei. Die Branche ist seit sieben Jahren in der Krise, viele Unternehmen erwirtschaften nicht ihre Kapitalkosten.

Hapag-Lloyd schreibt seit Jahren Verluste, und auch für dieses Jahr sieht es noch nicht nach schwarzen Zahlen aus. Dennoch ist Habben Jansen um die Zukunft seiner Branche nicht bange: «Die Schifffahrt wächst nicht mehr zweistellig, aber immer noch mit vier bis sechs Prozent pro Jahr. Darüber würden sich manche Branchen freuen.»

Schwierig werden für Habben Jansen die Entscheidungen über den Kauf neuer Schiffe, die in den nächsten Monaten wieder anstehen. Wegen der hohen Ölpreise in den vorigen Jahren haben die Unternehmen Schiffe angeschafft, die langsam fahren und wenig Treibstoff verbrauchen. Nun haben sich die Ölpreise halbiert - es könnte wirtschaftlich sinnvoll sein, wieder schneller zu fahren und weniger Schiffe einzusetzen.