Harald Krüger wird neuer BMW-Chef - Reithofer tritt ab

Generationenwechsel bei BMW: Der langjährige Vorstandschef Norbert Reithofer (58) tritt vorzeitig ab und macht einem Jüngeren Platz. Zur Hauptversammlung im Mai 2015 soll der bisherige Produktionsvorstand Harald Krüger (49) neuer Chef des Autokonzerns werden und dafür sorgen, dass die Konkurrenten Audi und Daimler in der Oberklasse auf Abstand bleiben.

BMW sei daran gelegen, die Verantwortung für die Weiterentwicklung des Unternehmens «rechtzeitig an nachfolgende Generationen zu übergeben», begründete Aufsichtsratschef Joachim Milberg am Dienstag in München den Schritt. «Die Automobilindustrie befindet sich weiter im Umbruch.» Der 71-Jährige Milberg wird auch seinen Posten räumen, damit Reithofer neuer Aufsichtsratschef werden kann.

Der designierte BMW-Chef Krüger ist seit mehr als 20 Jahren bei BMW. Nach mehreren Stationen im Ausland sitzt der Maschinenbau-Ingenieur seit 2008 im Vorstand, wo er derzeit weltweit für die Produktionsstandorte von BMW verantwortlich ist. In dieser Rolle war er regelmäßig in der Öffentlichkeit aufgetreten und seit einiger Zeit als potenzieller Nachfolger für Reithofer gehandelt worden.

Reithofer steht seit 2006 an der BMW-Spitze und hat den Konzern seither zu neuen Bestmarken geführt: Im laufenden Jahr will BMW weltweit erstmals mehr als zwei Millionen Autos verkaufen. Eigentlich hätte Reithofers Vertrag noch bis 2016 laufen sollen. Seit Wochen wird aber darüber spekuliert, dass er vorzeitig abtreten könnte. Erst im November war bekanntgeworden, dass Reithofer im Januar in den Aufsichtsrat des Siemens-Konzerns einziehen will.

Auch für den bisherigen Entwicklungschef Herbert Diess musste BMW einen Nachfolger finden: Diess wechselt im kommenden Jahr zum Konkurrenten VW. Sein Nachfolger im BMW-Vorstand wird mit sofortiger Wirkung Klaus Fröhlich, der für die kleineren und mittleren Modellreihen bei BMW zuständig ist.

Auf den künftigen BMW-Chef Krüger warten große Herausforderungen. Der gebürtige Freiburger übernimmt die BMW-Führung mitten im Umbruch der Automobilindustrie: Während sich in China und anderen Wachstumsländern immer mehr Menschen teure Autos aus Deutschland leisten, bleibt die Lage in Europa schwierig. Dort kämpfen die Hersteller mit teils harten Bandagen um die wenigen Neukunden.

Vor wenigen Jahren war BMW zusammen mit dem Autovermieter Sixt ins Car-Sharing eingestiegen, um sich in Deutschland neue Geschäftsfelder zu erschließen. Inzwischen steuert das Gemeinschaftsunternehmen «DriveNow» schon auf Gewinne zu.

BMW steht derzeit glänzend da. Seit 2010 kletterten Gewinn und Verkaufszahlen stetig. Eine Herausforderung sind die schärferen Abgas-Grenzwerte. Die Modellpalette bei BMW verschiebt sich deshalb wie bei anderen Herstellern derzeit hin zu kleineren Autos. Diese werden immer wichtiger, denn sie helfen BMW dabei, die CO2-Auflagen in der Europäischen Union einzuhalten, spülen aber weniger Gewinn in die Kassen.